Heute lässt sich durch Apps und Smartwatches ganz einfach messen und tracken, wieviel wir selbst zu unserer Gesundheit beitragen: Bewegen wir uns ausreichend? Wie hoch ist unser Blutdruck? Ernähren wir uns gesund? Schlafen wir genug? Das macht Vergleiche möglich – und könnte schlussendlich das Solidaritätsprinzip im Gesundheitswesen zum Wanken bringen. Dann nämlich, wenn die Bevölkerung, die sich fit hält und gesund lebt, Vorteile bei den Krankenversicherungsprämien einfordert und sich diese durchsetzen sollten. 

Zu den Merkmalen der Datengesellschaft gehört nicht nur der technische Fortschritt durch digitale Möglichkeiten, sondern auch ein Wandel des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Das menschliche Verhalten wird immer besser messbar, was Vergleiche und eine Rangordnung möglich macht. Aber was bedeutet dies für den gesellschaftlichen Kitt? Welche Solidaritäten sind dem Bürger wichtig? Und was sind die Folgen des zunehmend gläsernen Menschen für das Versicherungsprinzip? Diese gesellschaftlichen Aspekte des digitalen Wandels hat die Stiftung Sanitas Krankenversicherung mit dem Monitor «Datengesellschaft und Solidarität» 2019 zum zweiten Mal von der Forschungsstelle sotomo untersuchen lassen und will mit den Resultaten einen Beitrag an den öffentlichen Dialog leisten.

Solidarität unter Druck

Im Grundsatz erachtet der überwiegende Teil der Befragten die Solidarität in der Gesellschaft als wichtig. Für je 61 Prozent der Befragten sind die Solidarität der Reichen mit den Armen sowie der Jungen mit den Alten besonders wichtig. Für 56 Prozent gilt dies für die Solidarität der Gesunden mit den Kranken und nur für 39 Prozent für diejenige der Älteren mit den Jüngeren. Und es erstaunt nicht, dass eine Mehrheit der Befragten (53 Prozent) davon ausgeht, dass sich der digitale Wandel eher negativ auf die gesellschaftliche Solidarität auswirkt. Als Folge des Wandels sehen die Umfrageteilnehmer Überwachung, Verlust von Individualität, Leistungsdruck, effizientere Abläufe und mehr Möglichkeiten, jedoch am wenigsten «mehr Solidarität untereinander».

Klare Diskrepanz zwischen Wunsch und Verhalten

Die Studie macht deutlich: Die Bevölkerung sieht und nutzt die positiven Aspekte des digitalen Wandels und treibt dessen Entwicklung durch die eigene Nutzung digitaler Angebote weiter an. Gleichzeitig macht sie sich aber beträchtliche Sorgen um den gesellschaftlichen Zusammenhalt. 58 Prozent der Befragten sind zudem überzeugt, dass neue Formen von Solidarität, beispielsweise die gegenseitige Unterstützung in der Sharing Economy, einen Verlust an gesellschaftlichem Kitt nicht wettmachen können.

Mehr Befürworter für verhaltensabhängige Versicherungsmodelle

Sollen Personen, die sich fit halten und gesund ernähren, weniger Krankenversicherungsprämie zahlen als andere? Dieser Aussage stimmten 49 Prozent der Befragten zu und 46 Prozent waren dagegen. Die Befürworter 2019 sind im Vergleich zu 2018 (40 Prozent) deutlich gestiegen. Verhaltensabhängige Versicherungsprämien für die Gesundheit finden somit deutlich mehr Akzeptanz.

Die Personen, die ihre eigene Lebensweise gesünder einschätzen als die von anderen gleichen Alters, fänden solche verhaltensabhängigen Prämienrabatte sogar zu fast zwei Dritteln (63 Prozent) angemessen. Von jenen, die angeben weniger gesund zu leben, sind fast zwei Drittel dagegen.

Durch mehr Lebensvermessung und Wissen um die individuelle Gesundheit steigt somit der Druck auf die Solidarität im Gesundheitswesen, obwohl die Befragten diese grundsätzlich als wichtig erachten.

Digitalisierung fördert Leistungscharakter der Gesellschaft

Die meisten Befragten sind sich einig, dass die Digitalisierung den Leistungsdruck in der Gesellschaft fördert und Gewinner wie Verlierer hervorbringt. Wer jung, flexibel, gebildet und leistungsorientiert ist, den sehen die Befragten auf der Gewinnerseite. Ältere, Arme und weniger Gebildete werden dagegen als die Benachteiligten des digitalen Wandels angesehen. Der Leistungscharakter der digitalen Gesellschaft verursacht aber gleichzeitig Stress. So sehen sich drei Viertel der 18- bis 35-Jährigen durch die digitale Vermessung von Leistungs- und Lebensdaten (Life Tracking und Social Media) unter zusätzlichem Leistungsdruck. Eine Belastung, welche die jüngere Generation jedoch als Begleiterscheinung des digitalen Wandels hinnimmt zugunsten von neuen und personalisierten digitalen Angeboten.

Wie kann die gewünschte gesellschaftliche Solidarität in der digitalen Welt erhalten werden? Dies sollte in einer gesellschaftlichen und politischen Debatte vermehrt diskutiert werden.

Sanitas bietet der Bevölkerung am Digitaltag 2019 im Hauptbahnhof Zürich die Gelegenheit, einzelne Fragen aus dem Monitor «Datengesellschaft und Solidarität» 2019 am Stand zu diskutieren: https://www.digitaltag.swiss/programm/solidaritat-in-der-datengesellschaft-wie-weiter/

Über die Studie

Die Forschungsstelle sotomo hat im Februar 2019 2074 Personen zu ihrem Verhalten und der Einstellung zur Solidarität im Kontext der Digitalisierung online befragt. Die gezielte Personenauswahl und Gewichtung sichert eine repräsentative Stichprobe, die nahe an der Zusammensetzung der Bevölkerung in der Schweiz ab 18 Jahren liegt. Die Studie führt die erste Befragungswelle von 2018 weiter.

Download der Studie: www.sanitas.com/stiftung-umfrage

Sanitas – Warum wir teilnehmen – #SwissDigitalDay

Die Autorin ist über LinkedIN und die Stiftung Sanitas Krankenversicherung erreichbar.

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