Der Bundespräsident Ueli Maurer hält während der Eröffnungsrede des Digitaltags in Bern sein eigenes Smartphone in die Luft und betont: „Hier drin ist ein grosser Teil unseres Lebens.“ Er führt aus, dass es an uns allen sei, diese, in eine Maschine ausgelagerten Teile unserer Persönlichkeit, bestmöglich zu schützen. Und mehr noch: Nur wer weiss, wie die Digitalisierung funktioniert, kann deren Zukunft auch steuern und beeinflussen.

Üblicherweise darf man von Eröffnungsreden kaum mehr als Dank und Lob erwarten, doch diese Aussagen regen zum Nachdenken an, denn  der Bundespräsident spielt auch auf unser aller Unbedarftheit an. Dann nämlich, wenn wir ohne Risikobewusstsein digitale Medien und Funktionen nutzen. Zum Beispiel wenn wir unseren Bruttolohn auf einer beliebigen Website angeben, um so den Vorschlag einer Kreditfinanzierung zu erhalten. Oder wenn wir unseren Kindern ein Tablet in die Hand drücken, damit diese sich ihre Zeit auf YouTube vertreiben. Wenn wir in den sozialen Medien nicht nur unseren Freunden, sondern auch Delinquenten und solchen, die es bei Gelegenheit werden wollen, mitteilen, dass unser Haus die kommenden 14 Tage leer steht. All das sind Beispiele für einen (zu) unbedarften Umgang mit digitalen Medien.

Unsere Kinder müssen alsbald auf die Risiken und Chancen digitaler Medien und einer digitalisierten Welt vorbereitet werden. Und das sage ich nicht, weil ich ein bedingungsloser Fan der Digitalisierung bin, sondern weil es die unumstössliche Realität ist. Der stetig voranschreitende gesellschaftliche und soziale Wandel wird vieles verändern und entsprechend muss besonders die Schule, wo so vieles stattfindet, ihre eigene Art der Wissensgenerierung hinterfragen und anpassen. Lehrer und Lehrerinnen müssen ihr digitales Wissen auf den Prüfstand stellen und bereit sein, nachzujustieren, um den Kindern ein Vorbild zu sein: sind sie selber bereit, ihr Leben lang zu lernen? Was lernen sie? Wie lernen sie?

Die Angebote der Bildungsinstitutionen der Schweiz sind mannigfach. Auch deren Qualität muss nicht hinterfragt werden, das zeigen zweifellos regelmässig die “Worlddidac Awards” (ein Qualitätssiegel in der Bildung), mit denen die Institutionen für ihre Lehrmittel und Weiterbildungskonzepte ausgezeichnet werden. Aber dennoch: Das Weiterlernen als stetiger Prozess wird im Bildungssektor noch zu oft als unerheblich angesehen. Fakt ist: neue Entwicklungen, Vermittlungsformen und Lehrmittel müssen auch von den Lehrenden erlernt werden. Erst wenn auch diese sich vom Motto “heute gelernt – immer gewusst” verabschieden, und ihren Schülerinnen und Schülern vorleben, wie wir unsere Zukunft erlernen werden, ist der wichtigste Schritt zu einer zeitgemässen und der Digitalisierung angepassten Schule vollzogen.

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Author Michael In Albon, Leiter "Schulen ans Internet", Swisscom AG

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