Ein Erfahrungsbericht aus dem go tec! Labor Schaffhausen.

Nicole und Lukas haben alles vorbereitet für den Kurs am Samstag, Laptops und Unterlagen liegen bereit. 40 Mädchen werden zu den zehn Samstagskursen «Internet und Code für Mädchen» erwartet, welche das go tec! Team zum dritten Mal zusammen mit der EPFL Lausanne organisiert. Es ist der 13. März 2020 und wir wissen, dass es anders gekommen ist…

Turbulente Monate liegen hinter uns, denn das Corona-Virus hat alle Bereiche unseres Lebens und unserer Berufe stark beeinflusst. Die coronabedingten Schulschliessungen im März hatten auch Auswirkungen auf das go tec! Labor in Neuhausen am Rheinfall (Schaffhausen). So durften wir von einem Tag auf den anderen keine Schulklassen mehr empfangen und keine Freizeitkurse mehr durchführen. Was also tun?

Verstehen

Mit dem iterativen Entwicklungsprozess im Hinterkopf – Verstehen, Definieren, Ideen suchen, Prototypen bauen, Testen – hat sich das Team zusammengesetzt und die Lage analysiert. Was bedeutet die neue Situation für ein Schul- und Freizeit-Labor? Wie könnten wir Schulen auch in dieser Lage dabei unterstützen, MINT-Inhalte (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu vermitteln, und wie können wir unter diesen Umständen Kinder und Jugendliche ermutigen, weiter Freude an Technik zu entwickeln?

Definieren

Für uns war sofort klar, dass wir weiterhin tatkräftig auf unsere Ziele hinarbeiten und die MINT-Vermittlungslandschaft gerade während dieser Zeit mitprägen wollten. Das bedeutete, dass Kinder und Schulen weiterhin Zugang zu unseren Kursen und Werkzeugen haben sollten. Während des Lockdowns musste dies online und ohne physische Präsenz der Kinder möglich sein.

Ideen finden

In zahlreichen Gesprächsrunden und vor allem im Austausch mit anderen Schullabors, Freizeitwerkstätten, Hackerspaces und Partnerfirmen sammelten wir Ideen und diskutierten Möglichkeiten der Umsetzung. Diese Ideen und Vorschläge wurden dann priorisiert. Es stellte sich schnell heraus, dass es vier Projekte gab, die mit dem kleinen Team von go tec! in kurzer Zeit umgesetzt werden konnten. Es sollten Online-Kurse über eine Videokonferenzplattform angeboten, Wettbewerbe ausgeschrieben, und Wettbewerbe ausgeschrieben, ein “virtuelles Labor” geschaffen sowie weitere Ideen und Möglichkeiten verbreitet.

Umsetzung

Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Umsetzung der vier neuen Sonderangebote waren vor allem die bereits benutzten Online-Tools (Tüftel- und Programmierplattformen) und das Glück, über eine in der Region bekannte Website sowie eine grosse Newsletter-Community zu verfügen. Folgende Projekte haben wir umgesetzt. 

  1. Online Schul- und Freizeitkurse mit Gruppen-Video-Chat
    – Bau dir deine Welt – VR (Virtuelle Realität)
    – Einführung Programmieren mit Scratch
    – Bastelstunde – wir bauen einen Tresor aus Karton
    – Erkunde die Welt des 3D-Drucks
    – Programmier-Tüftelstunde – Ideen und Austausch und Tipps
  2. Ausschreibung des Bastel-Wettbewerbs «Baue einen Chamäleon-Automaten»
  3. go tec! Labor in einer virtuellen Umgebung nachbauen als Online-Spiel
  4. Neue Web-Unterseite mit spannenden Links, Tipps und Tricks

Ein Teil dieser Angebote kann hier noch angesehen werden.

Durchführen – Verbessern – Durchführen

Die Mehrzahl der ausgeschriebenen Kurse war schnell ausgebucht. Während der Zeit der Schulschliessung konnten wir 15 Online-Kurse mit insgesamt über 100 Kindern und Jugendlichen durchführen. Das Online-VR-go-tec war ebenfalls gut besucht.

Rückblick

Wir haben uns sehr über die vielen positiven Rückmeldungen gefreut. Die Tatsache, dass die meisten Kurse ausgebucht waren, ist auch eine schöne Anerkennung für die intensive Zeit der Vorbereitung und Durchführung der Spezialangebote. Herausforderungen gab es natürlich auch: Zu Beispiel zeitweise schlechte Audio-/Video-Verbindungen während des Kurses, keine direkte Erfassung von Stimmungen oder Unklarheiten aufgrund mangelnder physischer Präsenz, fehlende Erreichbarkeit von Kindern und Jugendlichen ausserhalb des Netzwerkes oder Haushalte ohne IT-Infrastruktur.

Während dieser Zeit haben wir viel gelernt und durften wertvolle Erfahrungen sammeln. Es war beeindruckend, wie positiv die Kinder und Jugendlichen mit der Situation umgegangen sind. Besonders gefreut hat uns der offene Austausch mit anderen Institutionen und die Unterstützung unserer Partner und Sponsoren, die trotz der schwierigen Zeiten zu uns standen.

12. Mai 2020, Nicole und Lukas richten Material und Werkzeuge für den Kurs am nächsten Tag. Das go tec! Team und die Klassen freuen sich darauf, wieder richtige «Technik-Luft» zu schnuppern. Online, offline, real und virtuell – MINT macht Spass und ist interessant!

Und Sie?

Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Unternehmen, Institutionen, Stiftungen, Kantone, Bund und Gemeinden diese Aktivitäten aber auch Organisationen, welche im MINT-Bereich aktiv sind, unterstützen und fördern. Das go tec! Labor in Schaffhausen wird durch eine breite Zusammenarbeit verschiedener Partner ermöglicht. Diverse Firmen und Gönner sowie der Kanton unterstützen go tec! finanziell, ideell und mit der Bereitstellung von Männer- und Frauenpower.

Kennen Sie in Ihrer Region Programmier- und Tüftel-Labore oder MINT-Projekte? Es wäre schön, wenn auch Sie sich aktiv an der Förderung unseres technisch orientierten Nachwuchses beteiligen würden, sei es durch Sponsoring, aktive Mitarbeit oder eine ideelle Unterstützung.

Weitere Auskünfte:

Martin Sengel, Geschäftsführer go tec!
Badstrasse 21 / Industrieplatz, 8212 Neuhausen am Rheinfall (SH), 052 551 03 10, martin.sengel@go-tec.ch

Martin Sengel, Geschäftsführer go tec!

Author Martin Sengel, Geschäftsführer go tec!

Geschäftsführer go tec!

More posts by Martin Sengel, Geschäftsführer go tec!
X