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Homeoffice etabliert sich als Arbeitsort für KMU: Viel Potential für organisatorische Massnahmen zum Schutz vor Cyberrisiken

Studie zur Digitalisierung und Cybersicherheit in KMU 2021

Schweizer Kleinunternehmen beweisen während der Corona-Krise Flexibilität. Dank moderner Infrastruktur lässt sich die Arbeit im Homeoffice erledigen, sofern dies die Geschäftstätigkeit zulässt. Die Nutzung des Homeoffice verdoppelte sich seit Beginn der Corona-Krise. Die Schattenseite: Waren im Jahr 2020 ein Viertel der befragten Unternehmen von Cyberangriffen betroffen, so sind es bei der zweiten Befragung mehr als ein Drittel. Die Umsetzung von technischen Massnahmen gegen Cyberangriffe ist auf hohem Niveau. Viel Potenzial besteht jedoch bei der Umsetzung organisatorischer Massnahmen wie der Durchführung von Sicherheitsaudits und Mitarbeiterschulungen.

Die Studie wurde im Auftrag der Mobiliar, von digitalswitzerland, der Allianz Digitale Sicherheit Schweiz, der Fachhochschule Nordwestschweiz – Kompetenzzentrum Digitale Transformation und der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften vom gfs-zürich umgesetzt.

Die Studie steht zum Download bereit: LINK

Die Pressemitteilung ist verfügbar auf Deutsch, Französisch und Italienisch.

Lesen Sie die Präsentation der Pressekonferenz auf Deutsch und Französisch.

digitalswitzerland freut sich, die neue Publikation von AMOSA (Arbeitsmarktbeobachtung Ostschweiz, Aargau, Zug und Zürich) über Quereinsteiger:innen vorzustellen, die sich für eine Um- oder Weiterqualifizierung in ICT-Berufe entscheiden. digitalswitzerland kommt zum Schluss, dass Quereinsteiger:innen ein wichtiges Segment des ICT-Arbeitsmarktes sind, dem mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss.

Das Problem des Fachkräftemangels der ICT-Branche wird sich nicht von selbst lösen neue Formen des Berufseinstiegs sind gefragt! Dabei sind Quereinsteiger:innen von grosser Bedeutung, wie eine neue Untersuchung von AMOSA zeigt.

Im Jahr 2020 waren in der Schweiz rund 243’000 Personen in ICT-Berufen beschäftigt. Seit 2010 hat die ICT-Branche ein beeindruckendes Wachstum von rund 50 % verzeichnet, verglichen mit einem durchschnittlichen Wachstum von nur 10 % in allen anderen Berufsgruppen. Trotz dieses enormen Wachstums besteht eine hohe Nachfrage nach ICT-Fachkräften.

Gemäss aktuellen Prognosen des Instituts für Wirtschaftsstudien (IWSB) kann der künftige Bedarf an ICT-Fachkräften weder durch Zuwanderung noch durch das Schweizer Bildungssystem gedeckt werden.

Es ist klar: Quereinsteiger:innen sind gefragt. Um einen zukunftsfähigen Weg für einen erfolgreichen Übergang in einen wachsenden ICT-Sektor zu schaffen, ist eine Betrachtung der Kennzahlen sinnvoll.

Hoher Anteil an Quereinsteiger:innen in ICT-Berufe

Berufliche Neuorientierungen in der ICT-Branche sind erstaunlich häufig. Nur einer von drei ICT-Fachleuten hat seine Laufbahn ursprünglich im selben Beruf begonnen. Während einige von ihnen aus verwandten ICT-Berufen kamen, begann fast die Hälfte der ICT-Fachleute ihre berufliche Laufbahn ausserhalb des ICT-Sektors.

Die Bedeutung dieser Zahlen zeigt sich im direkten Vergleich mit anderen Berufen, welche ebenfalls von Fachkräftemangel betroffen sind: Unter den 25 Berufen mit dem höchsten Fachkräftemangel erreicht der Anteil der Quereinsteiger nur gerade 37 Prozentpunkte. Das zeigt zweierlei: Erstens ist und bleibt die ICT ein zukunftsträchtiger Sektor. Zweitens stehen die Türen in der ICT offen und die Profile sind divers!

Grosse Variabilität zwischen den ICT-Berufen

Obwohl die berufliche Mobilität in den ICT-Berufen im Vergleich zu anderen Berufen weit verbreitet ist, gibt es dennoch erhebliche Unterschiede zwischen den verschiedenen ICT-Berufen: Berufswechsel sind heute beispielsweise bei Ausbildern im Bereich der Informationstechnologie (Anteil der Quereinsteiger: 93 %), den Führungskräften im Bereich der ICT-Dienstleistungen (91 %) oder den Technikern für den Betrieb von ICT und für die Anwenderbetreuung (86 %) sehr verbreitet. Dagegen verbleiben Grafik- und Multimediadesigner vergleichsweise häufiger im ursprünglich erlernten Beruf  nur 42 % sind Quereinsteiger.

Woher kommen die Quereinsteiger:innen?

Bei den Quereinsteigern lässt sich eine auffallende Vielfalt der ursprünglichen Berufe beobachten.

Abgesehen von den Arbeitnehmern, die zunächst in einem anderen ICT-Beruf ausgebildet wurden, hat ein beträchtlicher Anteil der heutigen Software- und Anwendungsentwickler oder -analysten ihre berufliche Laufbahn zunächst in verwandten technischen Bereichen begonnen, beispielsweise als Ingenieur (13 %) oder Elektroinstallateure und -mechaniker (3 %), aber auch in nicht-technischen Berufen als Bürokaufmann/-frau (3 %) oder Fachkraft in der betrieblichen Verwaltung (3 %).

Unter denjenigen, die jetzt als Techniker für den Betrieb von ICT und für die Anwenderbetreuung arbeiten, sind Übergänge aus anderen ICT-Berufen weit verbreitet: Viele Arbeitnehmer:innen erlernten ursprünglich einen Beruf im Bereich der Software- und Anwendungsentwickler oder -analytiker (10 %) oder als andere ICT-Fachleute (8 %). Aber auch Berufswechsel aus nicht-technischen Berufsfeldern wie Bürokaufmann/-frau (9 %) oder Verkäufer:in (3 %) kommen relativ häufig vor.

Ein erheblicher Teil dieser Berufswechsel sind Übergänge aus Berufen mit ähnlichem Qualifikationsniveau und erfordern eher eine Umschulung als eine Höherqualifizierung. Aber auch Übergänge von Berufen mit niedrigerem oder höherem Qualifikationsniveau sind nicht ungewöhnlich insbesondere bei denjenigen, die heute als Techniker für den Betrieb von ICT und für die Anwenderbetreuung arbeiten.

Fakt ist: Durch gezielte Um- oder Weiterqualifizierung können sich auch für weniger qualifizierte Mitarbeiter neue Wege in die Informatik eröffnen!

Wichtige Faktoren: Geschlecht und Alter

Während ältere Altersgruppen und Frauen in ICT-Berufen (noch) unterrepräsentiert sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie aus fachfremden Berufen in diesen Bereich gekommen sind, höher als bei jüngeren Altersgruppen und Männern.

Dies ist ein Indiz für die Dringlichkeit von Frauenförderung im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Denn offensichtlich können Frauen auch aus fachfremden Berufen für die Informatik gewonnen werden: das Quereinsteigerinnen-Potenzial in der Schweiz ist also hoch. Mit gezielter Förderung der Mädchen im Bereich MINT könnte dieses Potenzial bereits früher abgeschöpft werden aus Quereinsteigerinnen werden Einsteigerinnen!

Die Unterschiede zwischen den Altersgruppen lassen sich vor allem dadurch erklären, dass ältere Arbeitnehmer länger im Erwerbsleben stehen und daher mehr Zeit für eine Neuorientierung und Weiterbildung haben. Ausserdem könnten die Hürden für Quereinsteiger in den letzten Jahren aufgrund spezifischerer und höherer Arbeitsplatzanforderungen gestiegen sein.

Lebenslanges Lernen wird dadurch umso wichtiger. Die Zahlen zeigen: Die Nachfrage ist gross, aber das Potenzial ebenso. Ein Karrierewechsel ist machbar!

Wie unterstützt digitalswitzerland lebenslanges Lernen?

Die Förderung eines leistungsfähigen, digital kompetenten Arbeitskräftepotenzials ist der Kern unserer Aktivitäten. Bildung und lebenslanges Lernen sind dabei von zentraler Bedeutung. Wir setzen uns dafür ein, zugängliche Ressourcen für die allgemeine und berufliche Bildung bereitzustellen. Auch die Bedeutung von MINT für die qualifizierten Arbeitskräfte von morgen möchten wir betonen. Die Förderung von Lernenden aller Altersstufen ist ein wichtiger Teil unserer Mission, die Schweiz zu einem führenden digitalen Innovationsstandort zu machen. 

Die Angebote von digitalswitzerland wie die Plattform lifelonglearning.ch und das Boost-Programm bieten hierzu die nötige Unterstützung.

Weitere Informationen zu AMOSA und den neuesten Publikationen finden sie hier.

Die Digitalisierungsbranche litt unter den Krisen von 2001 und 2008. Im Jahr 2020 floriert sie. Aus Büroarbeit wird Remote Work. Papierbasierte Abläufe werden zu Online-Workflows. Fabriken und Lieferketten laufen dank der Automatisierung weiter. Wir sind dabei, einen 10-Jahres-Sprung in die Zukunft zu machen. Dies wird uns starke Produktivitätssteigerungen bescheren. Sogar unsere Covid-Kosten können wir auf diese Weise kompensieren.

Krisen erfordern Pionierleistungen und kein Schema F bei der Bewältigung

Im Frühjahr 2020 zirkulierte in der Tech-Branche ein Brief des Venture-Fonds Sequoia zur Covid-Krise. Es war «Schema F»: Erinnerungen an die Krisen 2001 und 2008 schwangen mit. Sequoia hat nahegelegt: Schliesst die Luken. Bereitet Euch auf den Sturm vor. Downsize.

Ich verstehe den Brief von Sequoia. Ich habe selbst von 1998 bis 2007 im Silicon Valley gelebt und gearbeitet und zwei Krisen durchgemacht. Die Dot-Com-Krise raffte im Silicon Valley fast alle Startups dahin. Strassen und Restaurants waren leergefegt, ähnlich wie in der Covid-Krise. Dazu kam der Schock von 9/11. Ich verliess meinen Arbeitgeber McKinsey & Co und sanierte ein Unternehmen. Ich verhandelte die Kostenbasis herunter, baute ein neues Produkt und zog Investitionen an.

Aus dieser Erfahrung heraus habe ich 2005 Zattoo gegründet. Ich machte Tempo. Unser Angebot stiess auf grosses Interesse. Wir bauten aus. Wir stellten ein. Wir waren eine kleine Sensation.

Die Finanzkrise 2008 kam unvermittelt. Alle Startups, nicht nur Zattoo, wurden ohne Vorwarnung getroffen, denn sie hatten nicht die Zeit, das Umfeld nach Makrobedrohungen zu scannen. Sie sind mit Nutzerwachstum, Produktdesign, Umsatzwachstum und dem Aufbau der Organisation vollends beschäftigt.

Da auf dem Markt kein Risikokapital mehr verfügbar war, habe ich im Januar 2009 sogar meine Wohnung in San Francisco verkauft, um die Content-Rechnung von Zattoo zu bezahlen. Das Geld lag etwa zwei Monate zwischen den USA und der Schweiz, da sich die Banken nicht mehr trauten. Ich konnte Aktien verpfänden, um Cash für die Firma aufzutreiben. Tamedia (jetzt TX Ventures) konnte ich überzeugen, einzusteigen. Mit Erfindergeist und Kostendisziplin konnten wir 2010 endlich Fuss fassen. Zattoo wuchs seitdem als KMU mit eigenen Mitteln jährlich etwa um 20-30%.

Nach der Überwindung dieser Krise habe ich den Verwaltungsrat von Zattoo aufgebaut. Ich habe mich als Präsidentin bis 2019 unter anderem der Aufgabe gewidmet, die Firma krisenresistent zu halten und Gefahrensignale mit Vorlauf zu erkennen. Ich habe Cash gehortet, um dem Unternehmen im Ernstfall helfen zu können. Die TX Gruppe hat im April 2019 die Mehrheit übernommen. Ich gab das Präsidium ab. Wir entwickeln die Gesellschaft gemeinsam weiter.

Als ich im Januar 2020 erstmals von Covid hörte, war ich zunächst verschreckt. Erinnerungen an 2001 und 2008 klangen an. Ich fragte mich: Wie kann Zattoo mit der drohenden Pandemie fertig werden? Es war zu erwarten, dass die Pandemie dazu führen würde, dass die Werbeindustrie ihre Ausgaben drosselt, verzögert, umbucht oder einstellt. Die Cloud-Systeme von Zattoo und der Telekommunikationsindustrie waren nicht darauf ausgelegt, über längere Zeiträume autonom zu laufen. Es waren sogar noch schlimmere Entwicklungen denkbar.

Ich befragte meine Bekannten, darunter eine Führungskraft von McKinsey&Co China im Februar 2020. Im Gespräch kamen wir auf einen prognostizierten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts auf -3 %, und das Schweizer BIP fiel tatsächlich auf etwa -3 %.  

Kurzfristig sah es noch bedrohlicher aus, aber es erholte sich im Laufe des Jahres 2020. Es erholte sich, weil wir dank Digitalisierung in der Lage waren, weiter zu arbeiten. Es gab keine Notwendigkeit für ein Notprogramm bei Zattoo oder vielen Tech-Unternehmen. Im Gegenteil: Die Tech-Branche boomte.

Digitalisierung als Lichtblick in einem dunklen Krisenjahr

Auf kurze Zeit gesehen werden Innovationen überschätzt. Die Dot-Com-Krise 2001 war sozusagen eine Krise der Ernüchterung. Langfristig aber werden Innovationen unterschätzt. Im Jahr 2020 haben wir dank der Digitalisierung soeben die erste Krise durchlebt, in der wir von Robotern weich gebettet wurden: ein Moment für die Geschichtsbücher.

Wirtschaft, Bildung, Gesundheit, Verteidigung, Finanzen, Verkehr und Energie waren im 2020 krisenresistenter dank Digitalisierung. Die Digitalisierung steht endlich in voller Blüte:

Die Pfeiler der Digitalisierung bilden Remote Work und Online-Workflows, die in der Cloud abgebildet werden, sowie der Online-Handel.

Die Cloud erlaubt gemeinsames Arbeiten an Briefen, Präsentationen, Tabellenkalkulationen und anderen Dingen. Sie entlastet uns von der Server-Administration und sorgt für eine bessere Lastverteilung und höhere Verfügbarkeit, als wenn wir die Server selbst administrieren würden.

Die Cloud wächst rasant. Büroarbeit wird zunehmend auf Google Docs oder mit Microsoft Office 365 in der Cloud erledigt. Privat nutzen inzwischen über eine Milliarde Menschen die Apple Cloud. Für alle Lasten, die elastisch oder schwankend sind, und für alle Werkstücke, die von mehreren Akteuren gleichzeitig bearbeitet werden, macht die Cloud Sinn.

Zattoo selbst bietet Beispiele für Cloud-Dienste: Anstatt Recordings lokal zu speichern, greifen unsere Zuschauer auf unsere Cloud zu. Von vielen Aufnahmen, die alle gleich wären, braucht es im Idealfall nur eine Masterkopie. Das spart Geld. Auch unsere B2B-Kundenbasis (Telekommunikations- und Kabelunternehmen) nutzt Cloud-Dienste: Statt TV-Signale von Satelliten über sogenannte Kopfstellen selbst einzuspeisen, nutzen sie unseren Cloud-Service. Von vielen Tausend Kopfstationen in Europa, welche alle ungefähr das Gleiche machen, wird es letztlich noch eine Handvoll in der Cloud brauchen. Da jede Kopfstation eine Investition von etwa 10 Mio. CHF und laufende Kosten verursacht, spart das eine Menge Geld. 

Online-Handel und Lieferdienste wachsen stark und nachhaltig. Haben Nutzer mit alten Gewohnheiten einmal gebrochen, ein Benutzerkonto eröffnet und online bestellt, ist es für sie ein Leichtes, den vorkonfigurierten Warenkorb nochmals zu bestellen. Hat man das neue Verhalten einmal eingeübt, bleibt man dabei. 

Digitalisierung kann unsere Covid-Kosten aufwiegen

Das BIP sank im Jahr 2020 um 25 Mrd. CHF; 2021 wird es steigen. Aus der Bundeskasse floss eine Kapitalspritze von 70 Mrd. CHF. Nehmen wir diese Summe als Massstab und ignorieren, wie dieses Geld aus der Wirtschaft wieder beim Staat landet, denn das tut es früher oder später. Prüfen wir, ob wir sie in 10 Jahren wettmachen können: Das entspräche 7 Mrd. CHF pro Jahr, oder 1% des Bruttosozialprodukts in der Schweiz von ca 700 Mrd. CHF.

Das geht: Bei angenommenen 700’000 Mitarbeitenden in Remote Work macht das 10’000 CHF pro Kopf und Jahr. Einsparungen können wir in diesen Bereichen erzielen:

Für die Schweiz kann Remote Working die Rettung aus unserer geografischen Enge sein. Angestellte können in der ganzen Schweiz oder auch im Ausland geografisch verteilt sein. Wir brauchen uns bei der Rekrutierung nicht mehr auf einen 100km Kreis um den Arbeitsplatz zu beschränken. Remote Work öffnet einen grösseren Kandidatenpool für die Rekrutierung und fördert Diversität und Spezialisierung. Damit wird es auch günstiger, in der Schweiz ein Startup zu gründen.

Remote Work erhöht die Mitarbeiterzufriedenheit. Deloitte-Schweiz Studien aus den Jahren 2020 und 2021 zeigen: Mitarbeiter wollen mehrheitlich hybrid arbeiten und keinesfalls die Vorteile des Remote Working aufgeben. Mitarbeiter hatten erheblichen Zeitverlust beim Pendeln – diese Last wollen sie nicht mehr tragen. Sie geniessen die Freiheit, an Orten mit niedrigen Kosten und hoher Lebensqualität zu arbeiten – das eröffnet neue Perspektiven. Sie sparen Zeit durch weniger obligatorische Geschäftsreisen. Frauen erleichtert Remote Work den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt durch die Möglichkeit, ihre Zeit gleitend zwischen Büro und Zuhause aufzuteilen.

Die Präferenzen betreffend Remote Work liegen nicht über alle Altersgruppen gleich, und sie unterscheiden sich auch zwischen Industrien und Ländern. In Japan ist der Verlust der Präsenzkultur eine grosse Herausforderung. Eine Anekdote aus Japan wurde mir zugetragen: Sagt der Chef «Was kann ich mit den zwei Assistenten machen? Darf ich sie nach Hause nehmen?» Dieser Chef hatte noch nie eine Videokonferenz von zu Hause organisiert. Das wurde immer im Büro von Spezialisten erledigt. Für traditionelle Chefs ist Remote Work eine Herausforderung.

Die IT-Branche ist Vorreiter bei Remote Work – andere Branchen ziehen nach

Es gab auch schon andere Zeiten: 2013 versuchte die damalige Chefin von Yahoo, Marissa Mayer, die Mitarbeiter von Remote Work wegzubringen. Innovation, meinte sie, geschieht im Dampfkochtopf des Entwicklungszentrums von Yahoo im Silicon Valley. Sie sah Innovation als Kontaktsport. Innovation ist inzwischen online möglich, weil die Arbeitsmittel besser geworden sind.

Die IT-Branche ergreift inzwischen die Chance, den Mitarbeitern mit Remote Work attraktive Arbeitsbedingungen zu bieten. Sie ist mit Abstand am besten darauf vorbereitet. Andere Branchen entdecken nun auch: Remote Work funktioniert. Die Sicherheit ist besser als befürchtet. Aus dem Private-Banking ist bisher kein Skandal bekannt.

Corona hat mehr getan, um die Digitalisierung der Schweiz zu beschleunigen, als alle digitalen Initiativen, die wir bisher hatten. Von vielleicht 10’000 Remote Work-Arbeitsplätzen in der Schweiz vor der Covid-Krise haben wir einen Sprung auf über 1 Million Remote Work-Arbeitsplätze gemacht (bei einer Gesamtbelegschaft von fast 5 Millionen). Wenn wir von 700’000 solcher Arbeitsplätze über die nächsten 10 Jahre sprechen, verstehen wir die Grössenordnung des Wandels. 

Die Initiative digitalswitzerland, die Wissenschaftsinitiative CH++,  Open Data Schweiz, der Branchenverband ASUT und weitere können uns helfen, den Schwung aus der Covid-Digitalisierung mitzunehmen. Sie können mit Inspiration und Know-how-Transfer zum Florieren der Schweiz beitragen.

“Culture eats Strategy for breakfast”

Wir kennen das: eine clevere Strategie wird verkündet, und wir foutieren uns darum, weil wir es anders mögen. Macht unsere Macht der Gewohnheit nun die Vorteile der COVID-Digitalisierung zunichte? Kehren wir zu Feld 1 zurück?

Beginnen wir mit uns selbst. Wir haben gelernt, wie man sich im Home-Office organisiert. Ideal wäre ein Zoom-Raum. Wir haben gelernt, Essen zu kochen, Samen zu pflanzen, Brot zu backen. Ideal wäre ein eigener Garten. Wir reisen mehr individuell, weniger in Gruppen. Ideal wäre ein Camper.

Wir improvisieren in der Art und Weise, wie wir unterrichten. Ideal wäre ein altersgerechter Mix aus Präsenz- und Online-Unterricht:

Vielleicht sagen wir uns: «mein Aktiendepot ist gestiegen, meine Immobilie ist jetzt mehr wert, ich brauche mir die neue Arbeitswelt nicht mehr anzutun.» Oder wir wurden ruiniert und können nicht mehr. Durch die Covid-Krise scheiden vor allem ältere Arbeitnehmer aus dem Berufsleben aus. 

Damit wir die Vorteile der Digitalisierung nutzen können, müssen wir uns von der Gewohnheit verabschieden, in altmodische Büros zurückzukehren, in denen wir Kopfhörer tragen, um konzentriert zu arbeiten. Lasst uns stattdessen Büros neu erfinden und die Möglichkeit des Remote Working nutzen, die uns in der Covid-Krise gut gedient hat. 

Über Bea Knecht

Bea Knecht digitalisiert mit ihren Gründungen Zattoo, Genistat und Levuro Mediendienstleistungen. Genistat beschäftigt Experten für Media Data Science. Levuro beschäftigt Experten für Social Media Engagement. Wingman ist ein VC Fonds, den sie unterstützt: Von Unternehmern, für Unternehmer. Bea Knecht wirkt im Vorstand der Gesellschaft für Marketing und von CH++ und ist Mitglied der Eidgenössischen Medienkommission. Sie ist Empfängerin des IAB Lifetime Award, des Best of Swiss Web Award und des Emmy Award.

Am Montag, 14. Juni 2021 begrüsste Nicolas Bürer, Managing Director digitalswitzerland, rund 50 Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zum Sessionsanlass von digitalswitzerland im Casino Bern. Es gestaltete sich ein kurzweiliger Anlass mit angeregten Diskussionen über den Stand der Digitalisierung der Schweiz. Vom vielzitierten Faxgerät bis hin zur aktuellen Debatte rund um das Covid-Impfzertifikat wurden alle Themen angeschnitten, die in der Corona-Krise für Schlagzeilen sorgten.

Inputs des Abends

Professor Edouard Bugnion, Professor für Computerwissenschaften an der EPFL Lausanne, war entscheidend an der Entwicklung der Swiss CovidApp beteiligt. In seinem Referat ging er auf die Entstehungsgeschichte der App ein. Als Mitglied der Swiss National COVID-19 Science Task Force war er während der Corona-Krise bei Entscheidungen eingespannt, die alle Ebenen unseres föderalen Systems betrafen. Nicht ganz ohne Schmunzeln erklärte er dem anwesenden Publikum, wie gross die Unterschiede bei der Digitalisierung in den einzelnen Kantonen sein können. Er sieht in dieser dezentralen Struktur ein Hindernis für eine rasche Digitalisierung der Schweiz und plädiert daher für klare Vorgaben zur Digitalisierung auf Bundesebene. Dies analog zur Verankerung der Covid-App im Covid-19-Gesetz, damit gewisse Digitalisierungsschritte effizienter vorgenommen werden können. Effizienter könnte seiner Meinung nach auch die Erfassung der Schweizer Impfdaten erfolgen. Die Schweiz sei das einzige Land in Europa, das seine Impfdaten nicht täglich veröffentliche. Dabei sei eine real-time Datenerfassung sehr einfach zu erreichen. Solche Dinge erstaunen Edouard Bugnion auch nach mehr als einem Jahr Pandemie immer noch.

Dr. med. Yvonne Gilli setzte mit ihrem pointierten Einstieg zur Digitalisierung im Gesundheitswesen gleich den Ton ihres Referates: Mit dem Bild einer Error-Meldung der BAG-Webseite legte die Präsidentin der FMH den Finger auf den wunden Punkt in der Beziehung der Gesundheitsplayer zur Digitalisierung. So sei das Fax in der Arztpraxis schlicht noch Realität, weil gewisse Kantons- und Bundesämter Meldungen nur per Fax oder brieflicher Post entgegennähmen. Yvonne Gilli zeigte sich überzeugt, dass es nicht an der Technologie liege, dass viele IT-Projekte im Gesundheitswesen nicht gelingen, sondern an der schwierigen Umsetzung in die Lebenswelten der Menschen. Als Beispiel führte sie das elektronische Patientendossier ins Feld, das aus ihrer Sicht einen Relaunch bräuchte. «Unter Digitalisierung verstehe ich nicht, dass wir bestehende Prozesse neu einfach am Computer erledigen, sondern dass ganze Prozesse grundlegend neu gedacht werden», hält Yvonne Gilli fest.

Der bekannte Epidemiologe Marcel Salathé schloss sich den Voten seiner Vorredner zur digitalen Kompetenz in der Schweiz an. Jedoch gab er zu bedenken, dass auch die jungen «Digital Natives» oft nur über Anwender-Kenntnisse verfügten – das sei nicht mit einem vertiefteren Verständnis für Technologie zu verwechseln. Deshalb will er den Umgang mit der Technologie und das Verständnis dafür mit seinem neuen Verein CH++ fördern. Frei von Partikularinteressen wolle der Verein direkt und ungehemmter verschiedene Themen ansprechen. Generelle Zustimmung erhielt Marcel Salathé für seine Aussage, dass wir in der Schweiz Digitalisierung zwar könnten, die Frage sei vielmehr, ob wir diese auch wollten. Deshalb sei es bei allen Digitalisierungsprojekten zentral, den konkreten Nutzen für die Menschen aufzuzeigen. Nur so würde dieser Wandel auch akzeptiert.

Ruedi Noser, Ständerat aus dem Kanton Zürich, wies in der Podiumsdiskussion darauf hin, dass es meist schlicht an Druck mangle, etwas zu ändern. Gerade im Umfeld der öffentlichen Verwaltung fehle der Wettbewerb und die Risikobereitschaft, um etwas zu verändern und Prozesse neuzudenken.

Sébastien Kulling, Directeur Suisse Romande digitalswitzerland, bedankte sich herzlich bei allen Rednern/innen für die anregenden Ausführungen. Er fasste zusammen, dass Vertrauen, dieses sehr menschliche Gefühl, in einer digitalen Welt unerlässlich sei. Er hofft, dass die Schweiz sich von der Gründung der Schweizerischen Bundesbahnen im Jahr 1902 inspirieren lasse, die zu der notwendigen und willkommenen Interoperabilität zwischen den verschiedenen regionalen Verkehrsnetzen führte, einer Interoperabilität, die auch ein Jahrhundert später noch in Kraft ist.

Die Digitalisierung des Arbeitsplatzes wird bis zum Jahr 2030 schätzungsweise bis zu 800 Millionen Arbeitsplätze überflüssig machen. Um auf diesen Umstand zu reagieren, arbeiten Ed-Tech Start-ups auf unterschiedlichste Arten daran, das Bildungswesen zukunftsfähig zu gestalten. Und sie profitieren von Ressourcen wie dem Swiss EdTech Collider, einem Hub für Ed-Tech Start-ups an der EPFL in Lausanne.

Das Bildungssystem – sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor – ist ein zentraler Bestandteil vieler Volkswirtschaften und wird sich in Zukunft zwangsläufig verändern (müssen). Eine entscheidende Rolle spielt in diesem Zusammenhang der Ed-Tech-Sektor, der den Einsatz von Technologien im Bildungswesen fördert.

Natürlich gibt es keine technologische Komplettlösung, die jedem Bildungsangebot gerecht wird. Im Gegenteil: der Ed-Tech-Sektor ist ein stark fragmentierter Markt, in dem viele verschiedene Unternehmen Produkte, Innovationen und Dienstleistungen für verschiedene Zielgruppen im Bildungs- und Lernsektor entwickeln und vermarkten. Dies macht es für Pädagogen und Lernverantwortliche bisweilen schwierig, das richtige Werkzeug zu finden.

An dieser Stelle kommt der Swiss EdTech Collider ins Spiel: eine gemeinnützige Initiative im EPFL Innovation Park, in unmittelbarer Nähe der ‘learning sciences divisions’ der EPFL Lausanne, und der erste kollaborative Co-working Space der Schweiz, der sich ausschließlich mit Ed-Tech befasst. Eröffnet im April 2017, hat sich der Swiss EdTech Collider zu einem Zentrum für Start-ups und Unternehmen entwickelt, deren Ziel es ist, Bildung und Lernen durch Technologien und neue Innovationen zu unterstützen und zu verändern. Gestartet mit 30, sind es zwei Jahre später bereits 80 Ed-Tech Start-ups, die untereinander Erkenntnisse austauschen, sich gegenseitig unterstützen und mithelfen, ein einzigartiges Ökosystem rund um Themen der technologisierten Wissensvermittlung zu kreieren.

Die Start-ups arbeiten an einer Vielzahl unterschiedlicher Innovationen für verschiedene Phasen der ‘learning journey’, wie die folgenden Beispiele zeigen:ein flexibles und interaktives Lernmanagementsystem für Schulen; spezielle Software für Kinder mit Lernschwächen (Dyslexie oder Dyskalkulie); eine adaptive  und umfassende 3D-Plattform zur Schulung von Cybersicherheitsbedrohungen; Virtual-Reality-Lösungen für die Ausbildung von KrankenpflegerInnen; eine Online-Plattform, die Mikro-Lernkurse für Unternehmen anbietet; ein technischer Bausatz, der es ermöglicht, den Nachhaltigkeitsgedanken in der Solarenergie nachzuvollziehen; Augmented-Reality-Technologie für spielerisches Lernen der Programmierung; eine Gamified-Classroom-Interaktionsplattform oder digitale, projektbasierte Kurse zu den digitalen Skills der Zukunft.

Der Swiss EdTech Collider unterstützt Ed-Tech Start-ups in deren Wachstumsphase, in der es massgeblich darum geht, neue Partner und Kunden zu gewinnen. Zu diesem Zweck wurde ein Ökosystem geschaffen, das aus Investoren, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen, öffentlichen und privaten Organisationen, Fachexperten und Forschungsabteilungen der EPFL und ETH besteht. Im Oktober 2018 wurde der Swiss EdTech Collider zudem auch Teil des neu geschaffenen EPFL LEARN – Center for Learning Sciences, einem Netzwerk verschiedener Initiativen im Bereich Bildung, Lernen und Technologie an der EPFL.

Mit Ausnahme einiger etablierter Start-ups wie Coorpacademy – dem „Netflix“ des Unternehmenslernens – oder auch Labster, welches VR-Laborsimulationen kreiert, weisen die meisten Start-ups, die sich an die öffentlichen Bildungsinstitutionen richten, ein langsames Wachstum auf; auch wegen der langsamen und langwierigen Entscheidungsprozesse in diesem Sektor.

Festgehalten werden muss auch, dass einige Start-ups nicht zwingend eine Gewinnmaximierung anstreben: vielmehr konzentrieren sie sich darauf, einen langfristigen und nachhaltigen Einfluss auf die Bildungslandschaft zu erzielen: durch das Schaffen neuer Arbeitsplätze und die zukunftsorientierte Veränderung des Bildungswesens. Dies ist beispielsweise bei der Association Mobsya und ihrem Bildungsroboter Thymio der Fall: mehr als 50.000 dieser Roboter wurden bereits von Schulen und Familien gekauft und halfen den Schülern, Programmiersprachen sowie ‘computational thinking’-Skills auf spielerische Art und Weise zu erlernen.

Während sich der Ed-Tech-Sektor generell noch in einem relativ frühen Entwicklungsstadium befindet, wird er mit grosser Sicherheit einen grossen Einfluss darauf haben, wie wir in Zukunft lernen – sowohl innerhalb des Schulsystems als auch in unserem täglichen Arbeitsleben. Der Swiss EdTech Collider und seine Startups spielen in diesem Zusammenhang bereits eine aktive Rolle und werden dies auch in Zukunft tun.

Von Roman Bruegger, Geschäftsführer, Swiss EdTech Collider

Anmerkung:
Der Swiss EdTech Collider wird unterstützt von der EPFL, der Jacobs Foundation, Swisscom, CVCI und der Fondation Henri Moser.