Die Digitalisierung des Arbeitsplatzes wird bis zum Jahr 2030 schätzungsweise bis zu 800 Millionen Arbeitsplätze überflüssig machen. Um auf diesen Umstand zu reagieren, arbeiten Ed-Tech Start-ups auf unterschiedlichste Arten daran, das Bildungswesen zukunftsfähig zu gestalten. Und sie profitieren von Ressourcen wie dem Swiss EdTech Collider, einem Hub für Ed-Tech Start-ups an der EPFL in Lausanne.

Das Bildungssystem – sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor – ist ein zentraler Bestandteil vieler Volkswirtschaften und wird sich in Zukunft zwangsläufig verändern (müssen). Eine entscheidende Rolle spielt in diesem Zusammenhang der Ed-Tech-Sektor, der den Einsatz von Technologien im Bildungswesen fördert.

Natürlich gibt es keine technologische Komplettlösung, die jedem Bildungsangebot gerecht wird. Im Gegenteil: der Ed-Tech-Sektor ist ein stark fragmentierter Markt, in dem viele verschiedene Unternehmen Produkte, Innovationen und Dienstleistungen für verschiedene Zielgruppen im Bildungs- und Lernsektor entwickeln und vermarkten. Dies macht es für Pädagogen und Lernverantwortliche bisweilen schwierig, das richtige Werkzeug zu finden.

An dieser Stelle kommt der Swiss EdTech Collider ins Spiel: eine gemeinnützige Initiative im EPFL Innovation Park, in unmittelbarer Nähe der ‘learning sciences divisions’ der EPFL Lausanne, und der erste kollaborative Co-working Space der Schweiz, der sich ausschließlich mit Ed-Tech befasst. Eröffnet im April 2017, hat sich der Swiss EdTech Collider zu einem Zentrum für Start-ups und Unternehmen entwickelt, deren Ziel es ist, Bildung und Lernen durch Technologien und neue Innovationen zu unterstützen und zu verändern. Gestartet mit 30, sind es zwei Jahre später bereits 80 Ed-Tech Start-ups, die untereinander Erkenntnisse austauschen, sich gegenseitig unterstützen und mithelfen, ein einzigartiges Ökosystem rund um Themen der technologisierten Wissensvermittlung zu kreieren.

Die Start-ups arbeiten an einer Vielzahl unterschiedlicher Innovationen für verschiedene Phasen der ‘learning journey’, wie die folgenden Beispiele zeigen:ein flexibles und interaktives Lernmanagementsystem für Schulen; spezielle Software für Kinder mit Lernschwächen (Dyslexie oder Dyskalkulie); eine adaptive  und umfassende 3D-Plattform zur Schulung von Cybersicherheitsbedrohungen; Virtual-Reality-Lösungen für die Ausbildung von KrankenpflegerInnen; eine Online-Plattform, die Mikro-Lernkurse für Unternehmen anbietet; ein technischer Bausatz, der es ermöglicht, den Nachhaltigkeitsgedanken in der Solarenergie nachzuvollziehen; Augmented-Reality-Technologie für spielerisches Lernen der Programmierung; eine Gamified-Classroom-Interaktionsplattform oder digitale, projektbasierte Kurse zu den digitalen Skills der Zukunft.

Der Swiss EdTech Collider unterstützt Ed-Tech Start-ups in deren Wachstumsphase, in der es massgeblich darum geht, neue Partner und Kunden zu gewinnen. Zu diesem Zweck wurde ein Ökosystem geschaffen, das aus Investoren, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen, öffentlichen und privaten Organisationen, Fachexperten und Forschungsabteilungen der EPFL und ETH besteht. Im Oktober 2018 wurde der Swiss EdTech Collider zudem auch Teil des neu geschaffenen EPFL LEARN – Center for Learning Sciences, einem Netzwerk verschiedener Initiativen im Bereich Bildung, Lernen und Technologie an der EPFL.

Mit Ausnahme einiger etablierter Start-ups wie Coorpacademy – dem „Netflix“ des Unternehmenslernens – oder auch Labster, welches VR-Laborsimulationen kreiert, weisen die meisten Start-ups, die sich an die öffentlichen Bildungsinstitutionen richten, ein langsames Wachstum auf; auch wegen der langsamen und langwierigen Entscheidungsprozesse in diesem Sektor.

Festgehalten werden muss auch, dass einige Start-ups nicht zwingend eine Gewinnmaximierung anstreben: vielmehr konzentrieren sie sich darauf, einen langfristigen und nachhaltigen Einfluss auf die Bildungslandschaft zu erzielen: durch das Schaffen neuer Arbeitsplätze und die zukunftsorientierte Veränderung des Bildungswesens. Dies ist beispielsweise bei der Association Mobsya und ihrem Bildungsroboter Thymio der Fall: mehr als 50.000 dieser Roboter wurden bereits von Schulen und Familien gekauft und halfen den Schülern, Programmiersprachen sowie ‘computational thinking’-Skills auf spielerische Art und Weise zu erlernen.

Während sich der Ed-Tech-Sektor generell noch in einem relativ frühen Entwicklungsstadium befindet, wird er mit grosser Sicherheit einen grossen Einfluss darauf haben, wie wir in Zukunft lernen – sowohl innerhalb des Schulsystems als auch in unserem täglichen Arbeitsleben. Der Swiss EdTech Collider und seine Startups spielen in diesem Zusammenhang bereits eine aktive Rolle und werden dies auch in Zukunft tun.

Von Roman Bruegger, Geschäftsführer, Swiss EdTech Collider

Anmerkung:
Der Swiss EdTech Collider wird unterstützt von der EPFL, der Jacobs Foundation, Swisscom, CVCI und der Fondation Henri Moser.