Die Schweiz ist führend in Sachen Innovation, aber die Digitalisierung im Gesundheitswesen hinkt noch hinterher. Eine Umfrage aus dem Jahr 2022 zeigt, dass die Bürger digitalen Gesundheitsinstrumenten gegenüber aufgeschlossen sind, wenn diese einen echten Mehrwert bieten. Das Vertrauen in Krankenhäuser ist hoch, während Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes bestehen bleiben. Die Zukunft liegt in patientenorientierten, sicheren und kooperativen Lösungen.
Die Schweiz gilt als eines der innovativsten Länder der Welt. Im IMD World Digital Competitiveness (WDC) Ranking 2022 belegt die Schweiz den fünften Platz (2021: sechster Platz) (IMD World Competitiveness Center, 2022). Die Digitalisierung hat in der Schweizer Industrie an Fahrt gewonnen, beispielsweise im Bankensektor, der mittlerweile fast vollständig digitalisiert ist. Ein Sektor hinkt jedoch noch weit hinterher: das Gesundheitswesen. Dieses Thema steht seit vielen Jahren im Fokus zahlreicher Akteure aus dem öffentlichen und privaten Sektor. Bislang war die digitale Transformation jedoch nicht erfolgreich. Wir liegen noch Jahre hinter europäischen Ländern wie Dänemark oder Estland zurück, die über vollständig digitalisierte Gesundheitssysteme verfügen.
Die verschiedenen Akteure des Gesundheitswesens haben viel Zeit und Mühe investiert, um die beste Technologie zur Unterstützung dieses Wandels zu etablieren. Heute gibt es zahlreiche Lösungen und Initiativen zu diesem Thema. Es wurde die elektronische Patientenakte (EPR) entwickelt. Vor kurzem wurden durch Kooperationskonsortien neue digitale Gesundheitsplattformen geschaffen.
Um effektiv zu sein, werden digitale Tools gemeinsam mit den Endnutzern entwickelt und getestet, um sicherzustellen, dass sie so effektiv wie möglich funktionieren. Wenn sie nicht den Bedürfnissen der Endnutzer entsprechen, werden sie nicht angenommen. Daher sollte die digitale Gesundheitsplattform/-lösung gemeinsam mit ihren Endnutzern, den Bürgern der Schweiz, entwickelt werden.
Mit dieser Publikation wollten wir der Schweizer Bevölkerung die Möglichkeit geben, ihre Wünsche und Anliegen hinsichtlich der Digitalisierung des Gesundheitswesens zu äußern. Dies geschah im Rahmen einer Umfrage, die Ende Sommer 2022 durchgeführt wurde.
Mit dieser Umfrage lässt sich die Meinung der Bürger zu diesem Thema genauer erfassen. Wir können deutlich erkennen, dass die Schweizer Bevölkerung bereit ist, ein digitales Gesundheitssystem zu nutzen, sofern es einen klaren Mehrwert bietet, wie beispielsweise eine bessere Benutzerfreundlichkeit, verbesserte Diagnosen und Behandlungen sowie niedrigere Gesundheitskosten.
Die Umfrage zeigt, dass viele Schweizer Bürger ihre Gesundheitskompetenz (76 %) und ihre digitale Kompetenz (72 %) als hoch bis sehr hoch einschätzen. Die Gesundheitskompetenz steigt mit zunehmendem Alter, während die digitale Kompetenz abnimmt. Auch das Bildungsniveau spielt eine wichtige Rolle, da Menschen mit einem höheren Bildungsniveau über eine höhere Gesundheitskompetenz und digitale Kompetenz verfügen.
Eine weitere wichtige Erkenntnis betrifft das Vertrauen in verschiedene Organisationen, die mit Gesundheitsdaten umgehen. 70 % der Befragten haben ein hohes bis sehr hohes Vertrauen in Gesundheitsdienstleister (einschließlich Krankenhäuser), gefolgt von der Regierung (47 %), während der private Sektor (22 %) das geringste Vertrauen genießt. Das Vertrauen in Krankenhäuser und Allgemeinmediziner rechtfertigt auch ihren hohen Stellenwert als wichtigste Quelle für Gesundheitsinformationen (54 %). Medizinisches Personal ist seit Jahrhunderten ein zentraler Bestandteil des Gesundheitssystems, aber es gibt Anzeichen für eine Verlagerung hin zu einem System, das weniger auf medizinische Fachkräfte und mehr auf Patienten ausgerichtet ist.
Gleichzeitig verändert sich auch die Rolle der Patienten, da sie eine aktivere Rolle übernehmen und mehr persönliche Verantwortung übernehmen als in der Vergangenheit. So bezeichnen 31 % der Bevölkerung nicht mehr ausschließlich Menschen, die einer Behandlung bedürfen, als Patienten. Jeder ist ein Patient, egal ob gesund, krank oder verletzt. Dies spiegelt sich auch in der zunehmenden Vielfalt der Präventionsleistungen wider, die von den Krankenkassen angeboten werden. Das Gesundheitssystem von morgen sollte patientenorientiert sein und es den Patienten ermöglichen, sich über ihre Gesundheit zu informieren und sich stärker für Präventionsmaßnahmen zu engagieren. Ziel ist es, eine aktivere und gesündere Gesellschaft zu fördern.
Dies entspricht dem Wunsch der Patienten, mehr Kontrolle über ihre eigenen Gesundheitsdaten zu haben. 68 % der Bevölkerung möchten die rechtmäßigen Eigentümer ihrer persönlichen Gesundheitsdaten sein. Die elektronische Gesundheitsakte ist ein Schritt in diese Richtung, da die Patienten selbst die Kontrolle darüber haben, wer auf ihre Daten zugreifen kann.
Die Digitalisierung hat viele Vorteile, weckt aber auch Ängste bei den Bürgern. 46 % der Befragten befürchten, dass ihre Daten missbraucht oder gestohlen werden könnten. Der Datenschutz ist in letzter Zeit stärker in den Fokus gerückt, muss aber in Zukunft bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens eine noch zentralere Rolle spielen, um sicherzustellen, dass geeignete Systeme und Lösungen für die Speicherung und den Austausch von Daten eingesetzt werden und um Datenmissbrauch, falsche Speicherung oder Datendiebstahl zu vermeiden.
Nur mit einem kooperativen Ansatz aller Akteure im Gesundheitswesen (einschließlich der Patienten) wird es möglich sein, das Gesundheitssystem in den digitalen Raum zu überführen und einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung herbeizuführen.
Die Umfrage wurde anhand einer repräsentativen Zufallsstichprobe (n= 1110) der Schweizer Bevölkerung durchgeführt. Die Bevölkerung wurde zwischen dem 1. und 14. September 2022 über ein Online-Panel kontaktiert. Mit der Durchführung der Umfrage wurde ein unabhängiges Forschungsinstitut (gfs-zürich) beauftragt. Die Teilnahme war anonym und freiwillig. Die demografische Zusammensetzung der befragten Teilnehmer aus der Bevölkerung wurde speziell so gestaltet, dass sie repräsentativ für die französisch-, deutsch- und italienischsprachige Bevölkerung der Schweiz ab 18 Jahren ist, entsprechend den Quotenmerkmalen Geschlecht, Alter und Sprachregion. Das Tessin wurde leicht überproportional befragt, um individuelle Bewertungen zu ermöglichen. Um die Gesamtergebnisse zu erhalten, wurde die Stichprobe nach Sprachregionen gewichtet.
Prozentangaben werden immer auf ganze Zahlen gerundet, Durchschnittswerte auf Dezimalstellen. Prozentangaben unter 1 % sind in den Grafiken teilweise durch Farben sichtbar, werden jedoch nicht beschriftet.
Im Bericht des Euro Health Consumer Index (EHCI) für 2018 wurde die Schweiz als das Land mit dem besten Gesundheitssystem der Welt eingestuft (Björnberg & Phang, 2019). Die Qualität der Versorgung ist in der Schweiz aufgrund der hohen Dichte an medizinischem Fachpersonal (Weltgesundheitsorganisation, 2022) und der hochrangigen Universitäten sehr hoch. Darüber hinaus muss jeder in der Schweiz lebende Bürger eine obligatorische Krankenversicherung abschließen, die den Zugang zu guten Gesundheitsdienstleistungen ermöglicht. (Krankenversicherung, BAG).
In der Umfrage haben wir die Bevölkerung gefragt, ob sie sich ausreichend über ihre Gesundheit informiert fühlen. 78 % der Befragten fühlten sich gut bis sehr gut über ihre Gesundheit informiert. Die jüngste Generation (18–39 Jahre, 74 %) liegt leicht hinter den beiden älteren Generationen (80 % und 81 %) zurück (Grafik 1). Dies könnte daran liegen, dass die jüngere Generation „gesünder” ist und sich daher weniger für Gesundheitsthemen und ihren Gesundheitszustand interessiert.
Interessanterweise geben Personen, die ihre digitalen Kompetenzen als gut bis sehr gut einschätzen, auch häufiger an, dass sie über ihren Gesundheitszustand gut oder sehr gut informiert sind (82 % gegenüber 64 %). Dank digitaler Technologien können Menschen schnell alle Arten von Informationen suchen und sammeln. Sie können leicht auf Daten zu ihren verschiedenen Gesundheitszuständen zugreifen.
Es konnte kein Zusammenhang zwischen der Bewertung des Gesundheitsinformationsniveaus und der Tatsache festgestellt werden, ob jemand an einer chronischen Krankheit leidet oder nicht.
Digitale Lösungen eröffnen den Bürgern völlig neue Möglichkeiten des Zugangs zu Informationen. In Zukunft würde die Bevölkerung daher leicht Informationen über ihre eigene Gesundheit finden und sich noch besser in der Lage fühlen, ihr Wohlbefinden selbst zu steuern.
Grafik 1 – Informationsstand zum Gesundheitszustand
(Informationsstand zum Gesundheitszustand (n = 1110, Daten in Prozent, Altersgruppen: jung (18–39 Jahre), mittleres Alter (40–64 Jahre) und älter (65+), Geschlechterverteilung (männlich, weiblich), Sprachregionen: D-CH für die deutschsprachige Schweiz, W-CH für die französischsprachige Schweiz und I-CH für die italienischsprachige Schweiz, Bildungsniveau: niedrig (obligatorische Schulbildung), mittel (Sekundarschulabschluss, höhere Berufsausbildung), hoch (Universität oder Fachhochschule), Kaufkraft: niedriges Einkommen, unterdurchschnittliches Einkommen, überdurchschnittliches Einkommen und wohlhabend, Gesundheitskompetenz (von niedrig bis hoch)).
„Wir alle hoffen, von schweren Krankheiten verschont zu bleiben. Aber wie können wir unsere Gesundheit erhalten? Und wer ist dafür verantwortlich? Traditionell konzentrieren sich Gesundheitssysteme auf die Heilung von Menschen. Es überrascht daher nicht, dass wir das volle Potenzial der Prävention nicht ausschöpfen. Dies gilt insbesondere für weit verbreitete nicht übertragbare Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Probleme.
Studien haben gezeigt, dass das Verhalten einen viel größeren Einfluss hat als Faktoren wie Genetik, Umwelt oder sogar der Zugang zur Gesundheitsversorgung. Und es gibt so viele Möglichkeiten, einen gesünderen Lebensstil zu unterstützen. Smartwatches, Fitness-Tracker und andere Wearables haben alle Segmente unserer Gesellschaft erreicht und können von großem Nutzen sein: indem sie unsere Schritte zählen und uns motivieren, uns mehr zu bewegen.
Indem sie uns dabei unterstützen, bessere Entscheidungen in Bezug auf unsere Ernährung zu treffen. Prävention kann sehr unterschiedliche Formen annehmen. Als Krankenversicherer bieten wir finanzielle Anreize für diejenigen, die sich zu einem gesünderen Lebensstil verpflichten – ein rein freiwilliges Angebot, das sehr gut angenommen wird. Durch die Integration neuer Formen können wir die Prävention effektiver gestalten. Es ist an der Zeit, dieses Ziel mit allen verfügbaren Mitteln zu verfolgen.
Philomena Colatrella, CSS
Das heutige Gesundheitssystem konzentriert sich hauptsächlich auf die Diagnose und Behandlung kranker und verletzter Patienten. Angesichts der alternden Bevölkerung führt dies zu extrem hohen Gesundheitskosten in der Schweiz, die sich im Jahr 2020 auf insgesamt 83,3 Milliarden Franken beliefen (Schweizerische Eidgenossenschaft – BFS, 2022). Das System wandelt sich langsam zu einem System, das sich stärker auf Prävention und die Erhaltung der Gesundheit der «Patienten» über einen längeren Zeitraum konzentriert. Dies wird dazu beitragen, die Kosten zu senken und die Lebensqualität zu verbessern.
In der Schweiz gibt es viele verschiedene Akteure, die unterschiedliche Rollen im Gesundheitswesen spielen. Wir wollten besser verstehen, an wen sich die Bevölkerung wenden würde, um zusätzliche Informationen zu Präventionsmaßnahmen zu erhalten.
Grafik 2a zeigt, dass medizinisches Personal unabhängig vom Geschlecht der Befragten (54 %) nach wie vor die wichtigste Informationsquelle für die gesamte Schweizer Bevölkerung ist. An zweiter Stelle stehen Versicherungsgesellschaften, wobei der Anteil der Männer, die sich von Anbietern informieren lassen möchten, deutlich höher ist (43 % gegenüber 35 %). Männer erwarten auch eher, dass die Regierung Informationen bereitstellt (29 % gegenüber 18 % bei den Frauen).
Grafik 2b zeigt die Unterschiede in der Verteilung nach Generation der Befragten. Die ältere Generation neigt eher dazu, zusätzliche Informationen beim medizinischen Personal (60 %) und weniger bei den Krankenkassen (32 %) einzuholen, im Vergleich zu den 18- bis 39-Jährigen (44 %) und den 40- bis 64-Jährigen (39 %). Die jüngste Generation wendet sich eher an die Regierung (26 %) und ist fest davon überzeugt, dass Aufklärung für die Verbreitung von Informationen zur Gesundheitsvorsorge wichtig ist (43 % gegenüber 15 % und 5 % bei den älteren Generationen).
Das medizinische Personal steht seit Jahrhunderten im Mittelpunkt des Gesundheitssystems und gilt daher als wichtigste Quelle für Informationen im Zusammenhang mit Gesundheitsdaten. Das heutige Gesundheitssystem wandelt sich langsam zu einem System, das sich weniger um die medizinischen Berufe als vielmehr um den Patienten dreht.
In den Augen der Patienten, insbesondere der älteren Generation, spielen medizinische Fachkräfte nach wie vor die wichtigste Rolle im Gesundheitswesen. Das Gesundheitssystem wandelt sich derzeit zu einem Netzwerkmodell, in dem jeder Akteur eine bestimmte Rolle spielt, um ein erfolgreiches Ergebnis zu ermöglichen (medizinisches Personal, Versicherungen, Regierung usw.).
Menschen, die ihren Gesundheitszustand als eher schlecht einschätzen, oder Patienten mit chronischen Erkrankungen suchen eher Informationen zu Gesundheitsaktivitäten bei Allgemeinärzten (beide 65 %). Möglicherweise fühlen sie sich in Bezug auf ihre Gesundheit nicht gestärkt und suchen Rat bei ihrem engsten Verbündeten: ihrem Arzt.
Krankenversicherer spielen eine wichtige Rolle bei den Präventionsmassnahmen im Schweizer Gesundheitswesen, wie in Artikel 19 und Artikel 26 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG/LAMal, 1994) festgelegt. Es ist daher ihre Pflicht, Präventionsmassnahmen zu fördern, um die Gesundheit der Bürger zu erhalten und die Prämien so niedrig wie möglich zu halten. Viele Krankenversicherungen in der Schweiz haben digitale Tools entwickelt, um ihren Kunden zu helfen, einen gesunden Lebensstil zu führen und selbstbewusster zu werden. So hat beispielsweise die CSS die Anwendung active365 entwickelt, die Nutzer mit wertvollen Punkten belohnt, wenn sie positive Entscheidungen in Bezug auf ihre Ernährung, Bewegung, Achtsamkeit oder psychische Gesundheit treffen. Helsana hat ebenfalls eine ähnliche Anwendung entwickelt, die Helsana+ App, die präventive Gesundheitsmaßnahmen und die Interaktion mit der Versicherungsgesellschaft belohnt.
Die jüngere Generation sieht ein großes Potenzial für das Bildungssystem, eine aktivere Rolle bei der Förderung von Gesundheitsvorsorgemaßnahmen zu spielen. Die Schulbildung ist in der Schweiz für alle Kinder obligatorisch und kostenlos und dauert insgesamt elf Jahre. (Schulpflicht – SWI Swissinfo.ch, 2022). Da Gewohnheiten in der Kindheit leichter zu verinnerlichen sind, wäre dies ein ideales Umfeld, um das Bewusstsein für Gesundheitsvorsorgemaßnahmen und -aktivitäten zu schärfen, damit alle Bürger Zugang zu denselben Grundinformationen haben und einen gleichwertigen gesunden Lebensstil führen können.
Die Förderung von Präventionsmaßnahmen, die zu einem gesünderen Lebensstil führen, wird die Grundlage des Gesundheitssystems von morgen bilden. Dies ist nur möglich, wenn alle Akteure des Gesundheitswesens ihre Rolle in diesem System wahrnehmen. Digitale Tools wie Apps oder Wearables können den Bürgern dabei helfen, ihre Gewohnheiten zu verfolgen und positive Entscheidungen für ein gesünderes Leben zu treffen.
Grafik 2 – Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands der Schweizer Bevölkerung Akteure, die zusätzliche Informationen zu Gesundheitsvorsorgemassnahmen in der Schweiz bereitstellen sollten. Verteilung nach Geschlecht, Verteilung nach Alter
Akteure, die zusätzliche Informationen zu Gesundheitsvorsorgemaßnahmen in der Schweiz weitergeben sollten (n = 1110, Angaben in Prozent, Mehrfachnennungen möglich).
Die Gesundheit des Einzelnen wird durch eine Kombination verschiedener Faktoren beeinflusst. Das soziale, wirtschaftliche und physische Umfeld sowie individuelle Eigenschaften und Verhaltensweisen beeinflussen den Gesundheitszustand eines Menschen (Weltgesundheitsorganisation, 2017).
In der Umfrage haben wir die Befragten gebeten, persönlich über ihren aktuellen Gesundheitszustand nachzudenken. Es ist wichtig zu bedenken, dass die Tageszeit und die Gemütsverfassung des Befragten einen direkten Einfluss auf seine Selbsteinschätzung seiner persönlichen Gesundheit haben.
Fast drei Viertel der Befragten bewerten ihre eigene Gesundheit als gut oder ausgezeichnet (74 %). Die jüngere Generation fühlt sich am besten (79 %) und die Generation mittleren Alters am schlechtesten (71 %), was immer noch ein hohes Niveau ist.
Beim Vergleich der Kaufkraft der Befragten ist es interessant, einen Zusammenhang zwischen dem Wohlstandsniveau und dem Gesundheitszustand der Person festzustellen. Die wohlhabende Gruppe hat den höchsten selbst eingeschätzten Gesundheitszustand (86 %), während die Gruppe mit der geringsten Kaufkraft den niedrigsten Gesundheitszustand angibt (61 %).
Befragte, die ihre Gesundheit und ihre digitalen Fähigkeiten hoch bewerten, fühlen sich in besserer Verfassung als Menschen, die dies nicht tun (78 % gegenüber 60 %).
Die Schweiz ist ein sehr wohlhabendes Land, das im Index der Vereinten Nationen (UNECE, 2020) den dritten Platz einnimmt und einen hohen Lebensstandard bietet. Dies erklärt zum Teil die hohe Bewertung der persönlichen Gesundheit durch die Befragten. Der Wohlstand steht in direktem Zusammenhang mit dem Gesundheitszustand, da er sich auf die Lebensbedingungen auswirkt, die man sich leisten kann.
Die Digitalisierung ermöglicht einen einfachen Zugang zu gesundheitsbezogenen Informationen und hat einen direkten Einfluss auf den Gesundheitszustand einer Person, da diese das Gefühl hat, mehr Kontrolle zu haben (Ward, 2013). Sie hat Zugriff auf einen Wissenspool, der ihr jederzeit zur Verfügung steht.
Grafik 3 – Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands der Schweizer BevölkerungSelbsteinschätzung des Gesundheitszustands der Schweizer Bevölkerung
Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands der Schweizer Bevölkerung (n = 1110, Daten in Prozent, Skala von 1: schlecht bis 5: ausgezeichnet, Altersgruppen: jung (18–39 Jahre), mittleres Alter (40–64 Jahre) und älter (65+), Geschlechterverteilung (männlich, weiblich), Sprachregionen: D-CH für die deutschsprachige Schweiz, W-CH für die französischsprachige Schweiz und I-CH für die italienischsprachige Schweiz, Kaufkraft: niedriges Einkommen, unterdurchschnittliches Einkommen, überdurchschnittliches Einkommen und hohes Einkommen).
Der Begriff „Patient“ stammt vom lateinischen „pati-“ ab, was so viel bedeutet wie „leiden“, „ertragen“, „ertragen“ (Neuberger, 1999). Im Laufe der Zeit und aufgrund kultureller Unterschiede hat sich seine Definition mehrfach weiterentwickelt und angepasst, wodurch dem Patienten eine passive Rolle zugewiesen wurde, in der er still Schmerzen erträgt und auf medizinische Versorgung wartet. Heutzutage wird das Wort „Patient“ verwendet, um viele verschiedene Personen zu bezeichnen, die wir oft durch Synonyme wie „Klient“, „Verbraucher“, „Nutzer“ und „Kunde“ des Gesundheitssystems ersetzen könnten (Deber, 2005). Auch die Beziehung zwischen Patient und Gesundheitsdienstleister hat sich weiterentwickelt. Der Patient wird nicht mehr als passiver Akteur angesehen. Er übernimmt eine aktivere Rolle und steht seinem professionellen Berater, der ihn medizinisch berät, auf Augenhöhe gegenüber (Neuberger, 1999). In jüngerer Zeit werden Patienten als Personen definiert, die mit einem Arzt interagieren, entweder wegen einer tatsächlichen oder einer vermeintlichen Erkrankung oder zur Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention, sodass der Patient nicht mehr krank oder verletzt sein muss (Institute of Medicine, 1994).
In der Umfrage haben wir die Bevölkerung gefragt, wen sie als Patienten betrachten. 68 % der Gesamtbevölkerung definieren einen Patienten nach wie vor als eine Person, die eine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung benötigt, während nur 31 % der Menschen jeden als Patienten bezeichnen, unabhängig davon, ob er gesund, krank oder verletzt ist.
In Grafik 4 (siehe Seite 7) stellen wir einen signifikanten Unterschied in der Wahrnehmung von Patienten innerhalb der verschiedenen Altersgruppen fest. Je jünger die Befragten sind, desto eher verstehen sie den Begriff „Patient” als Bezeichnung für jede beliebige Person. Dies könnte darauf hindeuten, dass jüngere (und oft noch gesunde) Generationen sich selbst sowohl als gesund als auch als „Patienten” im Sinne von Gesundheitskonsumenten verstehen, die Maßnahmen für ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit ergreifen.
Wir alle sind täglich von unserer Gesundheit betroffen und daher alle „Patienten“. Das Gesundheitssystem von morgen sollte patientenorientiert sein, den Patienten in die Lage versetzen, sich über ihre Gesundheit zu informieren, und sich stärker auf Präventionsmaßnahmen konzentrieren, damit die Bürger mehr Maßnahmen ergreifen und länger gesund bleiben können. Dies wird die Kosten senken und das Wohlbefinden der Bürger steigern.
Grafik 4 – Wahrnehmung des Begriffs „Patient” durch die Bevölkerung nach Altersgruppen
Wahrnehmung des Begriffs „Patient” durch die Bevölkerung nach Altersgruppen (n = 1110, Daten in Prozent, Altersgruppen: jung (18–39 Jahre), mittleres Alter (40–64 Jahre) und älter (65+)).
Grafik 5 – Vorkommen chronischer Erkrankungen in der Schweizer Bevölkerung
Auftreten chronischer Erkrankungen in der Schweizer Bevölkerung (n = 1110, Daten in Prozent, Altersgruppen: jung (18–39 Jahre), mittleres Alter (40–64 Jahre) und älter (65+), Geschlechterverteilung (männlich, weiblich), Sprachregionen: D-CH für die deutschsprachige Schweiz, W-CH für die französischsprachige Schweiz und I-CH für die italienischsprachige Schweiz, Kaufkraft: niedriges Einkommen, unterdurchschnittliches Einkommen, überdurchschnittliches Einkommen und hohes Einkommen).
„Das gesamte Gesundheitssystem spricht von Patientenorientierung. Aber wie patientenorientiert ist unser Gesundheitssystem wirklich? Eines ist klar: Wir wissen es nicht einmal. Denn die Patienten werden nicht gefragt. Alle Parameter im Gesundheitssystem basieren auf fachlichen Kriterien. Aber sollte sich ein Gesundheitssystem nicht in erster Linie an den Nutzern des Systems, den Patienten, den Menschen orientieren?
Es ist an der Zeit, dass die Bedürfnisse der Patienten zuverlässig und differenziert ermittelt und die Ressourcen der Patienten in den Entscheidungsprozess einbezogen werden. Denn in einem hochwertigen Gesundheitssystem zählt nicht nur die fachliche Perspektive, sondern auch die Perspektive der Betroffenen.“
– Susanne Gedamke, Swiss Patient Organisation
Chronische Krankheiten, auch als nichtübertragbare Krankheiten (NCDs) bekannt, sind das Ergebnis einer Kombination aus genetischen, physiologischen, umweltbedingten und verhaltensbezogenen Faktoren und dauern ein Jahr oder länger an (About Chronic Diseases, 2022). Die wichtigsten Arten chronischer Krankheiten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen, Krebs und Diabetes, aber es gibt auch andere, weniger häufige NCDs.
Ein Drittel der befragten Bürger (33 %) gibt an, derzeit an einer chronischen Erkrankung zu leiden (siehe Grafik 5, Seite 7). Je älter die Befragten sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie an einer chronischen Erkrankung leiden. Jeder zweite Bürger über 65 Jahre ist von einer nichtübertragbaren Krankheit betroffen (49 %). Dies ist darauf zurückzuführen, dass im Laufe des Alterungsprozesses mehrere molekulare und zelluläre Fehlfunktionen auftreten, die letztendlich zu verschiedenen chronischen Beschwerden und Erkrankungen führen, darunter neurologische Störungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Makuladegeneration und Diabetes. Diese chronischen Erkrankungen treten in der Regel im mittleren/höheren Alter auf, nachdem die Betroffenen über einen langen Zeitraum bestimmten Faktoren und einem ungesunden Lebensstil (Bewegungsmangel, fettreiche Ernährung, Stress, Alkohol- und Tabakkonsum) ausgesetzt waren (Prasad et al., 2012).
Wir beobachten auch, dass Menschen mit geringer Kaufkraft eher angeben, an einer chronischen Krankheit zu leiden (43 %). Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass sie sich aufgrund ihres geringeren Einkommens nicht die besten Gesundheitsdienstleistungen und Nahrungsmittel leisten können (Kim et al., 2016), was zu einer ungesunden Lebensweise und damit zu chronischen Krankheiten führt.
Glücklicherweise werden chronische Krankheiten in der Schweiz heute gut behandelt, und „Patienten“ können ihre Symptome überwachen und ein gesundes Leben führen. Dies zeigt sich in der Umfrage, da Befragte, die an nichtübertragbaren Krankheiten leiden, ihren Gesundheitszustand nicht schlechter einschätzen als andere Befragte.
Im zukünftigen Gesundheitssystem der Schweiz sollten wir mehr Präventionsarbeit leisten, damit die Bürger einen gesunden Lebensstil pflegen und ihr Risiko, an einer chronischen Krankheit zu erkranken, senken können. Die Erfassung von Gesundheitsdaten kann positive Gewohnheiten fördern und den Bürgern ein gesünderes Leben ermöglichen.
Persönliche Gesundheitskompetenz ist der Grad, in dem Einzelpersonen in der Lage sind, Informationen und Dienstleistungen zu finden, zu verstehen und zu nutzen, um gesundheitsbezogene Entscheidungen und Maßnahmen für sich selbst und andere zu treffen (HRSA, 2022). Dies war die ausgewählte Definition, die in unserer Umfrage verwendet wurde.
Drei Viertel der Befragten schätzen ihre Gesundheitskompetenz als hoch bis sehr hoch ein (76 %).
Wie in Grafik 6 dargestellt, besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Alter der Befragten und ihrem Gesundheitswissen. Die ältere Generation weist die höchste Gesundheitskompetenz auf (82 % gegenüber 71 % bei der jüngeren Generation). Dies lässt sich dadurch erklären, dass man mit zunehmendem Alter mehr Interesse an seiner Gesundheit und damit verbundenen Themen hat, da die Gesundheit langsam nachlässt.
Es besteht auch ein Zusammenhang zwischen dem Bildungsniveau und dem Gesundheitswissen. Je höher der Bildungsstand einer Person ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie über ein hohes Maß an Gesundheitskompetenz verfügt (79 % gegenüber 62 % bei niedrigem Bildungsstand). Daher ist es wichtig, Gesundheitsthemen in den Lehrplan aufzunehmen, da der Schulbesuch für alle bis zum Alter von elf Jahren (vom 4. bis zum 15. Lebensjahr) obligatorisch ist.
Die französischsprachige Region der Schweiz weist eine geringere Gesundheitskompetenz auf als die deutsch- und italienischsprachigen Regionen (W-CH: 61 % gegenüber D-CH: 77 % und I-CH: 73 %, die bei dieser Frage auf den Plätzen 4 bis 5 landeten). Diese Unterschiede zwischen den Regionen lassen sich möglicherweise durch Unterschiede auf Kantonsebene erklären. Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, sich nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch auf regionaler oder kantonaler Ebene auf die Verbesserung der Gesundheitskompetenz zu konzentrieren. Dies gilt insbesondere in einem so dezentralisierten Land wie der Schweiz (Guggiari et al., 2021).
Die Careum Stiftung, die sich für die Förderung der Gesundheitsbildung einsetzt, hat in einem zweijährigen Forschungsprojekt (2019–2021) die Gesundheitskompetenz von 17 verschiedenen europäischen Ländern verglichen. Dabei wurde festgestellt, dass die Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern unterdurchschnittlich abschneidet (De Gani et al., 2021). Dies zeigt, dass trotz des hohen Gesundheitswissens in der Schweiz auf kantonaler, regionaler und nationaler Ebene noch viel Verbesserungsbedarf besteht, damit die Schweiz das Niveau anderer europäischer Länder wie Dänemark erreichen kann.
Die Schweiz ist ein Land, in dem die Verbesserung der Gesundheitskompetenz in Bezug auf ihre Wirkung effektiver sein kann als anderswo:
Die Menschen haben Zugang zu Informationen und Kommunikationskanälen im ganzen Land, und zwar mehr als in einem durchschnittlichen Land.
Die Menschen verfügen über die notwendigen Mittel, um Zugang zu Gesundheitsberatung zu erhalten, sei es in Form einer besseren Ernährung oder in Form des Zugangs zu und der Nutzung von Fitness- und/oder Wellness-Dienstleistungen usw.
Die Schweiz besteht, insbesondere in ländlichen Gebieten, aus kleinen, eng verbundenen Gemeinschaften. Wenn innerhalb einer bestimmten Gemeinschaft ein bestimmtes Maß an Gesundheitskompetenz erreicht wird, können sich die Auswirkungen und Effekte auf die gesamte Gemeinschaft oder größere Teile davon ausweiten, was bedeutet, dass der ROI der Gesundheitskompetenz sogar noch effektiver sein kann als normalerweise.
Angesichts dieser positiven Faktoren sollte die Gesundheitskompetenz im ganzen Land und insbesondere in ländlichen Gebieten gestärkt werden, wo bestimmte Aspekte der Gesundheit und einer gesunden Lebensweise (z. B. Ernährung) deutlich verbessert werden können. Der Tabakkonsum hingegen ist in der Schweiz statistisch gesehen höher als in anderen Ländern mit hohem Einkommen, wie die Statistiken der letzten Jahrzehnte zeigen.
Da Krankenversicherungen über die Mittel verfügen, Kampagnen und Initiativen zur Förderung der Gesundheitskompetenz voranzutreiben, bietet dies eine sehr solide Grundlage für ein Land, in dem die Gesundheitskompetenz gefördert und drastisch verbessert werden kann.
– Alexandros Giannakis, Accenture
Grafik 6 – Gesundheitskompetenz in der Schweiz
Gesundheitskompetenz in der Schweiz (n = 1110, Daten in Prozent, Altersgruppen: jung (18–39 Jahre), mittleres Alter (40–64 Jahre) und älter (65+), Geschlechterverteilung (männlich, weiblich), Sprachregionen: D-CH für die deutschsprachige Schweiz, W-CH für die französischsprachige Schweiz und I-CH für die italienischsprachige Schweiz, Bildungsniveau: niedrig (obligatorische Schulbildung), mittel (Sekundarschulabschluss, höhere Berufsausbildung), hoch (Universität oder Fachhochschule), Kaufkraft: niedriges Einkommen, unterdurchschnittliches Einkommen, überdurchschnittliches Einkommen und wohlhabend, digitale Kompetenz (von keiner bis hoher Kompetenz)).
Grafik 7 – Digitale Kompetenz in der Schweiz
Digitale Kompetenz in der Schweiz (n = 1110, Daten in Prozent, Altersgruppen: jung (18–39 Jahre), mittleres Alter (40–64 Jahre) und älter (65+), Geschlechterverteilung (männlich, weiblich), Sprachregionen: D-CH für die deutschsprachige Schweiz, W-CH für die französischsprachige Schweiz und I-CH für die italienischsprachige Schweiz, Bildungsniveau: niedrig (obligatorische Schulbildung), mittel (Sekundarschulabschluss, höhere Berufsausbildung) , hoch (Universität oder Fachhochschule), Kaufkraft: niedriges Einkommen, unterdurchschnittliches Einkommen, überdurchschnittliches Einkommen und wohlhabend, Gesundheitskompetenz (von nicht informiert bis sehr gut informiert), Besorgnis hinsichtlich der Digitalisierung (von sehr unbesorgt bis sehr besorgt).
Digitale Kompetenz bezeichnet die Fähigkeit, Informations- und Kommunikationstechnologien zu nutzen, um Informationen zu finden, zu bewerten, zu erstellen und zu kommunizieren, was sowohl kognitive als auch technische Fähigkeiten erfordert (ALA, 2011). Diese Definition wurde für unsere Umfrage ausgewählt.
Fast drei Viertel der Befragten schätzen ihre digitalen Kompetenzen als hoch bis sehr hoch ein (72 %).
Es besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Alter und dem Bildungsniveau der Befragten und ihrer Einschätzung ihrer digitalen Kompetenzen. Je jünger die Befragten sind, desto besser schätzen sie ihre digitalen Kompetenzen ein (61 % bei den über 65-Jährigen, 74 % bei den 40- bis 64-Jährigen und 78 % bei den 18- bis 39-Jährigen).
Die Digitalisierung begann im Wesentlichen in den 1950er Jahren mit dem Aufkommen von Computern, hatte jedoch erst in den 1990er Jahren mit dem Aufkommen des Internets einen disruptiven Einfluss (Press, 2015). Daher sind ältere Generationen nicht mit der Digitalisierung aufgewachsen und mussten sich erst später weiterbilden, während jüngere Generationen mit dem Internet geboren wurden und mit digitalen Tools aufgewachsen sind. Die Pandemie hatte einen sehr positiven Einfluss auf digitale Technologien, da die ältere Generation diese nutzen musste, um mit ihren Familien und Freunden zu kommunizieren, sodass 74 % der älteren Generation das Internet nutzten (Rubín et al., 2020). Je besser die Befragten ausgebildet sind, desto besser sind ihre digitalen Kenntnisse (niedrig: 53 %, mittel: 70 %, hoch: 85 %).
Dies lässt sich damit erklären, dass man je länger man studiert, desto mehr mit der digitalen Welt und digitalen Werkzeugen konfrontiert wird. Die Schweiz verfügt über eines der weltweit am höchsten bewerteten Bildungssysteme, das hervorragende Berufschancen bietet und beginnt, digitales Wissen und Informatik in den Lehrplan aufzunehmen (Robert).
Jeder zweite Befragte, der der Kategorie mit hoher Kaufkraft entspricht, bewertet seine digitalen Kompetenzen als sehr gut (Skala 5: 55 %).
Die Mehrheit der Stakeholder der Gruppe mit hoher Kaufkraft übt Berufe in Unternehmen aus, die den täglichen Einsatz von Computern und anderen Technologien erfordern.
Personen, die sich größtenteils keine Gedanken über die Digitalisierung machen, weisen häufiger eine hohe digitale Kompetenz auf (82 % gegenüber 70 % bei den sehr besorgten Befragten). Dies könnte dadurch erklärt werden, dass Stakeholder, die sich mehr Gedanken über die Digitalisierung machen, tendenziell vorsichtiger im Umgang mit digitalen Tools sind und daher weniger digitale Kompetenz besitzen.
Die digitale Kompetenz in der Schweiz hat in den letzten Jahren stark zugenommen und einen Schritt in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung gemacht (Schweizerische Eidgenossenschaft – BFS, 2021). Es bedarf jedoch noch einer raschen Weiterentwicklung, um mit dem Tempo des Wandels Schritt zu halten und eine digitale Kluft zu vermeiden, durch die ein Teil der Bevölkerung von der digitalen Transformation ausgeschlossen würde.
Das Gesundheits- und Digitalkompetenzniveau in der Schweiz ist insgesamt hoch eingestuft. Es besteht eine starke Korrelation zwischen beiden Bereichen. Personen, die ihre Gesundheitskompetenz hoch einschätzen, neigen eher dazu, auch über ein hohes Digitalkompetenzniveau zu verfügen (83 %), und umgekehrt (79 %). Befragte, die ihren Gesundheitszustand selbst als gut einschätzen, verfügen mit höherer Wahrscheinlichkeit über hohe digitale Kompetenzen (79 %) als diejenigen, die ihn als schlecht einschätzen (55 %). Heutzutage sind Informationen meist über das Internet zugänglich, daher ist es logisch, dass Menschen mit höherer digitaler Kompetenz mit größerer Wahrscheinlichkeit einen besseren Zugang zu Gesundheitsinformationen haben und über eine bessere Kompetenz in diesem Bereich verfügen. Dies führt zu einem besseren Gesundheitszustand.
Diese beiden Kompetenzen werden nun auch unter dem neuen Begriff „digitale Gesundheitskompetenz“ zusammengefasst. Die Careum Foundation definiert diesen Begriff als den Grad, in dem Menschen in der Lage sind, Gesundheitsinformationen aus digitalen Quellen zu beschaffen, zu verstehen und zu beurteilen und diese für Entscheidungen über ihre Gesundheit zu nutzen (De Gani et al., 2021). Sind diese Kompetenzen nur schwach ausgeprägt, hat dies negative Folgen, wie beispielsweise zunehmende Ungleichheiten im Gesundheitswesen in einer Welt, in der die Gesundheitsversorgung digitalisiert wird. Patienten, die nicht in der Lage sind, digitale Tools zu nutzen, deren Bedeutung nicht erkennen oder keinen Zugang zu ihnen haben, können deren Vorteile nicht nutzen und sind damit in Bezug auf ihre Gesundheitsförderung und ihr Engagement deutlich benachteiligt (Heath, 2022).
Wir müssen schnell handeln, um sicherzustellen, dass niemand zurückbleibt. Wir müssen die Nutzer auf ein Gesundheitssystem vorbereiten, das kontinuierlich neue Wege integriert, um Patienten mit Technologien einzubinden, und daher neue Strategien finden, um die digitale Kompetenz in der Schweiz zu verbessern.
Anfang 2022 zählte die Schweizer Bevölkerung 8,74 Millionen Einwohner (Worldometer), wobei 8,57 Millionen Internetnutzer 98 % der Bevölkerung ausmachten (Kemp, 2022). Die Digitalisierung ist daher in diesem mitteleuropäischen Land präsenter denn je.
In der Umfrage wollten wir besser verstehen, wie viel Zeit im Durchschnitt mit digitalen Geräten verbracht wird, einschließlich der Zeit am Arbeitsplatz. Die Ergebnisse waren gut verteilt: Fast ein Drittel (29 %) gab eine Nutzungsdauer von bis zu 3 Stunden an, ein weiteres Drittel zwischen 3 und 6 Stunden (32 %) und 36 % nutzten sie täglich mehr als 6 Stunden.
Die jüngeren Befragten verbringen mehr Zeit mit digitalen Tools (18–39 Jahre: 55 %, 39–64 Jahre: 41 % und 65+ Jahre: 10 % verbringen mehr als 6 Stunden damit). Dies lässt sich teilweise dadurch erklären, dass man im erwerbsfähigen Alter häufig täglich Computer für die berufliche Tätigkeit nutzt. Die ältere Bevölkerung, die häufiger im Ruhestand ist, muss digitale Tools nicht so oft nutzen, da sie diese für ihre berufliche Tätigkeit nicht benötigt. In der Schweiz liegt das Rentenalter für Frauen bei 64 Jahren und für Männer bei 65 Jahren, aber Menschen können auch früher in Rente gehen, wenn sie die finanziellen Möglichkeiten dazu haben (Schweizerische Eidgenossenschaft). Auf der anderen Seite verbringt die junge Generation mehr Freizeit mit Geräten als die ältere Bevölkerung (durchschnittlich 4 Stunden) gegenüber 2,5 Stunden bei der mittleren Altersgruppe (Swissinfo, 2019).
Je höher die Kaufkraftkategorie, desto mehr Zeit wird täglich mit digitalen Geräten verbracht (48 % der wohlhabenden Kaufkraftkategorie verbringen mehr als 6 Stunden mit ihren digitalen Geräten). Menschen mit größeren finanziellen Mitteln neigen eher dazu, Berufe auszuüben, die mehr Bildschirmzeit und Technologien erfordern, und dies würde zusätzlich zu ihrer digitalen Freizeit in ihrer Freizeit dazu führen, dass sich ihre durchschnittliche Gesamtzeit, die sie mit ihren Computern, Tablets oder Smartphones verbringen, summiert und erhöht.
Wie oben zu sehen ist, ist die Schweizer Bevölkerung daran gewöhnt, digitale Tools täglich für Arbeit und Freizeit zu nutzen, und könnte sich daher leicht daran gewöhnen, diese auch zur Erfassung ihrer Gesundheitsdaten und ihres Wohlbefindens zu verwenden.
Grafik 8 & 9 – Zeitaufwand für digitale Tools und mit digitalen Tools erfasste Gesundheitsdaten
Zeitaufwand für digitale Tools (n = 1110, Daten in Prozent, Altersgruppen: jung (18–39 Jahre), mittleres Alter (40–64 Jahre) und älter (65+), Geschlechterverteilung (männlich, weiblich), Kaufkraft: niedriges Einkommen, unterdurchschnittliches Einkommen, überdurchschnittliches Einkommen und hohes Einkommen, digitale Kompetenz (von keiner bis hoher Kompetenz), Interesse an Digitalisierung (von sehr geringem bis sehr hohem Interesse)).
Mit digitalen Tools erfasste Gesundheitsdaten (n = 1110, Daten in Prozent).
92 % der Schweizer Bevölkerung nutzen im Jahr 2022 ein Smartphone (O’Dea, 2020). Smartphones enthalten interne oder externe Anwendungen, die häufig kontinuierlich Gesundheitsdaten erfassen. Während einige Daten ohne Wissen der Betroffenen erfasst werden (z. B. Schritte), werden andere Daten auf freiwilliger Basis über verbundene Uhren, Mobiltelefone und Anwendungen erfasst.
In der Umfrage haben wir die Schweizer Bevölkerung gefragt, welche Arten von Daten sie mit digitalen Tools überwachen (Grafik 9, Seite 14). Mehr als die Hälfte der Schweizer Bevölkerung erfasst ihre täglichen Schritte (51 %), wobei der Anteil bei der jüngeren Generation noch höher ist (60 %).
Während einige Bürger ihre täglichen Schritte mit präzisen Geräten sorgfältig verfolgen, ist sich der Großteil der Bevölkerung noch nicht bewusst, dass ihr Mobiltelefon solche Informationen im Hintergrund aufzeichnet. Da oft empfohlen wird, täglich eine bestimmte Strecke zu gehen, helfen diese Tools dabei, den Fortschritt zu verfolgen und zu sehen, wie viel man gehen muss, um gesund zu bleiben.
Sportaktivitäten (32 %) und Anwendungen zur Eindämmung der Pandemie liegen an zweiter Stelle (32 % der Bevölkerung überwachen diese Daten), gefolgt von Daten im Zusammenhang mit Versicherungen (29 %).
Im Gegensatz dazu werden sportbezogene Daten, Pandemiedaten und versicherungsbezogene Daten auf freiwilliger Basis erfasst und müssen daher oft heruntergeladen oder mit zusätzlichen Anwendungen oder Gadgets verbunden werden, um kontinuierlich verfolgt werden zu können. Die COVID-19-Pandemie brachte für die Schweizer Bevölkerung viele Einschränkungen mit sich, die bestimmte Rechte aufhoben, wenn sie nicht die Möglichkeit hatten, bestimmte Gesundheitsdaten vorzulegen. Dies führte zu einer erhöhten Nutzung solcher Anwendungen, da die Bürger sich frei in ihren Städten bewegen und ihr Leben weiterführen wollten.
Nach der Überwachung dieser Gesundheitsdaten, die mit besonderen Bedürfnissen/Rechten verbunden sind, verfolgen die Bürger die spezifischsten gesundheitsbezogenen Merkmale wie den Menstruationszyklus der weiblichen Bevölkerung (27 %), die Herzfrequenz (20 %) und den Schlafzyklus (20 %). Diese Daten vermitteln Ihnen ein besseres Verständnis Ihres Gesundheitszustands und helfen Ihnen, Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden zu überwachen.
Auch wenn die Mehrheit der Bevölkerung mindestens eine Art von Gesundheitsdaten erfasst, erhalten bzw. verwalten 21 % keine Daten digital. Dies trifft vor allem auf die ältere Generation zu, die nicht mit diesen verschiedenen Tools aufgewachsen ist und weniger geneigt ist, neue Gewohnheiten zur Erfassung ihrer verschiedenen Gesundheitsdaten anzunehmen. Sie sind es immer noch gewohnt, ihre Gesundheitswerte nur einmal im Jahr bei ihrem Arztbesuch erfassen zu lassen.
Insgesamt gilt: Je älter die Befragten sind, desto weniger Arten von Daten verwalten sie digital (18–39 Jahre: 3,1, 40–64 Jahre: 2,6 und 65+ Jahre: 1,7).
In der Zukunft des Gesundheitswesens würde die kontinuierliche Überwachung der eigenen Gesundheitswerte zu Hause bessere Gesundheitsergebnisse ermöglichen, da der Arzt die Entwicklung der Daten im Laufe der Zeit besser nachvollziehen und die bestmögliche Behandlung für den Patienten sicherstellen könnte.
Im Jahr 2021 wurden 80 Millionen Smartwatches verkauft, verglichen mit knapp 16 Millionen herkömmlichen Schweizer Uhren (Müller, 2022). Smartwatches bieten zusätzliche Funktionen, da sie direkt mit anderen Geräten synchronisiert werden können. Neben vielen anderen Funktionen helfen diese Geräte dabei, Schlafgewohnheiten, Ernährung und Bewegung zu überwachen, Vitalparameter zu messen oder chronische Krankheiten zu verfolgen (Schoonbee, 2021). In der Umfrage haben wir Schweizer Bürger gefragt, wie oft sie solche digitalen Tools zur Gesundheitsüberwachung nutzen. Mehr als ein Viertel (28 %) zeichnet täglich seine Gesundheitsdaten auf, während 43 % solche Geräte nie zur Überwachung ihrer Gesundheit nutzen. Das bedeutet, dass eine große Mehrheit der Bevölkerung heutzutage ihre Gesundheitsaktivitäten mit einem Gerät oder einer Anwendung auf ihrem Smartphone verfolgt (Swissinfo, 2018).
Wie zu erwarten war, nutzen die jüngeren Befragten häufiger Apps oder Gadgets, um ihren Gesundheitszustand zu dokumentieren (33 % der jüngeren Generation tun dies täglich und 19 % mehrmals pro Woche). Dies lässt sich dadurch erklären, dass Millennials und die Generation Z am empfänglichsten für neue Technologien und Gadgets sind (Koch, 2018) und über Social-Media-Plattformen stärker mit solchen Produkten angesprochen werden (sproutsocial). Im Gegensatz dazu neigt die ältere Generation eher dazu, ihre Gesundheit nicht mit Geräten zu überwachen (65 % erfassen niemals Daten).
Eine interessante Erkenntnis ist, dass Menschen, die häufig digitale Tools zur Überwachung ihrer Gesundheit nutzen, sich nicht als gesundheitskompetenter, sondern nur als digitalkompetenter empfinden. Dies könnte daran liegen, dass viele Menschen lediglich ihre Gesundheitsdaten erfassen möchten und sich nicht die Zeit nehmen, zu verstehen, was diese Daten wirklich bedeuten und wie sie sie nutzen könnten, um ihren Gesundheitszustand besser zu verstehen.
Personen, die sich weniger Gedanken über die Digitalisierung machen, nutzen solche Tools tendenziell häufiger (47 % nutzen sie wöchentlich). Dies lässt sich gut damit erklären, dass Interessengruppen, die sich Gedanken über die Auswirkungen der Digitalisierung machen, dazu neigen, digitale Geräte zur Speicherung/Weitergabe ihrer Gesundheitsdaten zu meiden. Sie sind besorgt, weil sie das Gefühl haben, keine Kontrolle darüber zu haben, wie ihre Daten behandelt werden.
Smartwatches und Smartphones sind großartige digitale Tools zur Überwachung von Gesundheitsdaten. Sie sollten in der Schweiz stärker genutzt werden, da sie den Bürgern ermöglichen, Daten in Echtzeit zu erfassen und ein besseres Verständnis für ihre Gesundheit zu entwickeln. Es handelt sich um ein großartiges Produkt im medizinischen Bereich, das einen einfachen Informationsaustausch zwischen medizinischem Fachpersonal und Patienten ermöglicht (Elnagar et al., 2022). Um eine reibungslose Einführung zu ermöglichen, sollten Technologieanbieter ihre Produkte auf alle Altersgruppen zuschneiden und klar erklären, wie Gesundheitsdaten verarbeitet und verfolgt werden.
Die Überwachung von Patienten zu Hause vermeidet Krankenhausaufenthalte
Während der COVID-19-Pandemie war das Gesundheitssystem stark belastet. Bis zu 30 % der Krankenhauskapazitäten wurden für COVID-Patienten benötigt. Dies führte zu langen Wartezeiten für elektive Behandlungen und zu Verzögerungen bei der Diagnose und Therapie anderer Erkrankungen mit entsprechend negativen Folgen.
Was ist Home Monitoring?
Wenn Patienten zu Hause gepflegt werden, werden ihre Vitalparameter in der Regel nur ein- oder zweimal pro Tag gemessen. Bei vielen Krankheiten, beispielsweise Atemwegserkrankungen, wäre es sinnvoll, den Verlauf der Krankheit durch eine kontinuierliche Überwachung der Vitalparameter aufzuzeichnen, um bei einer Verschlechterung des Zustands sofort Maßnahmen ergreifen zu können. Die dafür erforderlichen Überwachungsgeräte arbeiten mit einem kleinen Sensor an der Fingerspitze, beispielsweise Masimo SafetyNet. Es misst kontinuierlich SO2¹, Atmung und Herzfrequenz und sendet die Messwerte über ein Smartphone an das klinische Portal.
Die Patienten sind somit keinem Infektionsrisiko ausgesetzt, sie verlieren keine Muskelmasse und entwickeln keine geistige Desorientierung. Ein nächster Schritt könnte das vollständige virtuelle Krankenhaus zu Hause sein, bei dem die Krankenstation des Patienten sein Zuhause ist. „Bleiben Sie sicher zu Hause” wird bald Realität sein, so wie heute das Homeoffice.
– Dr. med. Conrad E. Müller FMH, MBA, Pro UKBB Foundation
Grafik 10 – Häufigkeit der Nutzung digitaler Tools zur Gesundheitsüberwachung
Häufigkeit der Nutzung digitaler Tools zur Gesundheitsüberwachung (n = 1110, Daten in Prozent, Altersgruppen: jung (18–39 Jahre), mittleres Alter (40–64 Jahre) und älter (65+), Geschlechterverteilung (männlich, weiblich), Sprachregionen: D-CH für die deutschsprachige Schweiz, W-CH für die französischsprachige Schweiz und I-CH für die italienischsprachige Schweiz, Bildungsniveau: niedrig (obligatorische Schulbildung), mittel (Sekundarschulabschluss, höhere Berufsausbildung) , hoch (Universität oder Fachhochschule), Kaufkraft: niedriges Einkommen, unterdurchschnittliches Einkommen, überdurchschnittliches Einkommen und wohlhabend, Gesundheitskompetenz (von nicht informiert bis sehr gut informiert), digitale Kompetenz (von keiner bis hoher Kompetenz), Besorgnis hinsichtlich der Digitalisierung (von sehr unbesorgt bis sehr besorgt).
* ¹SO2: Schwefeldioxid
Das Schweizer Gesundheitssystem ist stark dezentralisiert und folgt einer föderalen Struktur, in der der Bund, die Kantone und die Gemeinden unterschiedliche Rollen übernehmen. Das System wird durch Prämien, Steuern, Versicherungsbeiträge und Selbstzahlungen finanziert (Sturny, 2020). Die Regierung ist für die Festlegung der Selbstbehalte zuständig und entscheidet über die Annahme oder Ablehnung von Prämienänderungen. Die Kantone legen fest, welche Spitäler welche Leistungen erbringen, und bestimmen die Arbeitszeiten und Löhne von Pflegepersonal und Ärzten. Der private und der öffentliche Sektor müssen zusammenarbeiten. Private Krankenversicherungen bieten Grund- und Zusatzversicherungen an, müssen jedoch die regulatorischen Anforderungen des Bundesamtes für Gesundheit und der Finanzmarktaufsicht (Sanitas) erfüllen. Die Grundversicherung ist für alle Personen mit Wohnsitz in der Schweiz obligatorisch.
Die Digitalisierung ist der Schlüssel zu mehr Transparenz und einem leichteren Zugang zu verschiedenen Daten. Die digitale Transformation hat viele Branchen in der Schweiz erfasst und das Land sehr innovativ gemacht. Im Gesundheitswesen würde die Beschleunigung der Digitalisierung allen Beteiligten, einschließlich den Patienten, verschiedene Vorteile bringen, da sie die Gesundheitsergebnisse, die Behandlungsqualität und die Patientenerfahrung verbessern und den Verwaltungsaufwand verringern würde (Hämmerli et al., 2021).
In der Umfrage haben wir daher Schweizer Bürger gefragt, wer ihrer Meinung nach der beste Anbieter eines digitalen Gesundheitssystems in der Schweiz ist, definiert als ein System, das alle Gesundheitsdaten auf benutzerfreundliche und sichere Weise digital verfügbar macht.
Mehr als ein Viertel der Befragten ist der Meinung, dass die Regierung (29 %) und/oder die Krankenkassen (27 %) die Anbieter einer Plattform für ein digitales Gesundheitssystem sein sollten. An dritter Stelle stehen Krankenhäuser (20 %). Nichtregierungsorganisationen, private Organisationen² und öffentlich-private Partnerschaften³ werden nur von einem sehr geringen Prozentsatz genannt (Nichtregierungsorganisationen: 7 %, private Organisationen: 4 % und öffentlich-private Partnerschaften: 4 %).
Eine hohe Anzahl der Befragten (9 %) zog es vor, diese Frage aufgrund fehlender Informationen oder fehlender Meinung nicht zu beantworten.
Die Schweizer Bürger sind der festen Überzeugung, dass der Staat eine zentrale Rolle bei der Bereitstellung der gesamten digitalen Lösung spielen sollte, und glauben an die wichtige Rolle der Krankenkassen. Da jeder Bürger eine Pflichtversicherung hat, besteht bereits eine enge Beziehung zu seinem Versicherungsanbieter. Die Befragten sind der Meinung, dass auch Krankenhäuser eine wichtige Rolle spielen, aber nicht die Führung übernehmen sollten. Private Organisationen, gemeinnützige Organisationen und Partnerschaften sollten nur eine indirekte Rolle in diesem System spielen.
Es ist interessant, die Unterschiede zwischen den Altersgruppen und dem Bildungsniveau der Befragten zu sehen. Je älter oder weniger gebildet man ist, desto eher sieht man das Krankenhaus als den besten Anbieter (65+ Jahre: 32 %, niedriger Bildungsstand: 30 %). Je jünger oder gebildeter man ist, desto eher ist man der Meinung, dass die Regierung Verantwortung übernehmen sollte (18–39 Jahre: 32 %, höhere Bildung: 36 %).
Wir können erhebliche Unterschiede zwischen den Befragten feststellen, die sich große Sorgen um die Digitalisierung machen, und denen, die dies nicht tun. Diejenigen, die sich keine Sorgen machen, sind der Meinung, dass die Regierung für die Plattform verantwortlich sein sollte (35 %), während die besorgte Gruppe den Krankenhäusern einen höheren Prozentsatz zuweist (26 %). Dies lässt sich dadurch erklären, dass Menschen, die Angst vor der Digitalisierung haben, möglicherweise möchten, dass das System so bleibt, wie es ist, und somit unter der Kontrolle der Krankenhäuser bleibt.
Derzeit spielen die Regierung und die Krankenkassen eine Schlüsselrolle bei der Digitalisierung des Gesundheitssystems. Es wurden bereits große Fortschritte erzielt, aber es bleibt noch viel zu tun. Weitere Informationen zu diesen Lösungen finden Sie weiter unten.
²Private Organisationen wie Pharmaunternehmen, Technologieunternehmen usw. ³Öffentlich-private Partnerschaften sind Kooperationen zwischen Behörden und dem privaten Sektor, bei denen öffentliche Einrichtungen und Dienstleistungen unter Einsatz privater Ressourcen und Fachkenntnisse bereitgestellt werden (Weltbank, 2022, und Müller-Tschumi & Wyss Ltd, 2012).
Im Jahr 2007 lancierte die Bundesregierung die «eHealth-Strategie Schweiz», um Patienten den Zugang zu ihren Gesundheitsdaten und deren Weitergabe an ausgewählte Gesundheitsdienstleister zu erleichtern. Das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier regelt die Sicherheitsanforderungen für den Umgang mit Gesundheitsdaten im elektronischen Patientendossier (De Pietro & Francetic, 2018). Seitdem wurden einige Fortschritte bei der Umsetzung erzielt, diese ist jedoch nach wie vor eher begrenzt. Eine Revision des Gesetzes und eine Konsultation im Sommer 2023 (BAG, 2022) sind geplant, um den Erfolg der Strategie mit Änderungen in Bezug auf die freiwillige Teilnahme und das Opt-in-Modell sicherzustellen (Hämmerli et al., 2021). Private Organisationen haben Lösungen entwickelt, die dem Bundesgesetz über die elektronische Patientenakte entsprechen. Im Jahr 2022 wurde die Schweizerische Post zum Hauptanbieter von EPR, nachdem sie die Mehrheit der Anteile an Axsana erworben hatte, die zuvor mit der Swisscom-Lösung arbeitete, bevor sie Anfang Oktober 2022 erfolgreich auf die Plattform der Schweizerischen Post umstieg (Schweizerische Post, 2022).
Da die Regierung sich Zeit ließ, digitale Lösungen für das Gesundheitssystem zu implementieren, und die EPR nur langsam in Gang kam, sahen Versicherungsgesellschaften die Chance, gemeinsam mit anderen Akteuren des Ökosystems Konsortien zu gründen, um eine digitale Gesundheitsplattform anzubieten. In den letzten Jahren sind zwei verschiedene Konsortien entstanden: Well Gesundheit und Compassana.
Well Gesundheit ist ein Joint Venture zwischen CSS, Medi24, Visana, Zur Rose und seit kurzem auch Galancia, Swiss Medical Network und Allianz Care. Es handelt sich um eine offene und unabhängige Plattform, die wichtige Aspekte der Gesundheitsversorgung miteinander verbindet und Daten sicher und vertraulich behandelt.
Compassana wurde von Medbase, Hirslanden, Groupe Mutuel, Helsana und SWICA gegründet, um ein digitales Gesundheitsökosystem zu entwickeln. Ihr Ziel ist es, die Behandlungsqualität und Prozesseffizienz durch die Entwicklung eines einfachen, benutzerfreundlichen Portals zu verbessern (Kaufmann, 2022). Auch wenn solche Lösungen bereits eingeführt werden, bleibt ein wichtiges Problem bestehen: Digitale Technologien können derzeit in der Schweiz nicht erstattet werden (Sander et al., 2022).
Die Digitalisierung des Schweizer Gesundheitswesens steht heute für viele Menschen ganz oben auf der Agenda. Jeder Akteur möchte seinen Beitrag leisten und sein eigenes Puzzleteil einbringen, damit das gesamte System digitalisiert werden kann. Dies kann nur erreicht werden, wenn die Behörden den nationalen Rahmen und die Standards festlegen und alle anderen Akteure zusammenarbeiten. Das BAG hat kürzlich eine neue Expertengruppe zum Thema Datenmanagement und Standardisierung ins Leben gerufen (BAG-Expertengruppe, 2022).
Grafik 11 & 12 – Präferenz der Schweiz für Anbieter digitaler Gesundheitsplattformen und von Schweizer Bürgern gewünschte Vorteile digitaler Gesundheitsplattformen
Präferenz der Schweiz für Anbieter digitaler Gesundheitsplattformen (n = 1110, Daten in Prozent) – Regierung (Bund, Kantone usw.), Krankenhäuser (Ärzte, Pflegepersonal usw.), gemeinnützige Organisationen (z. B. WHO, Schweizerisches Rotes Kreuz, Ärzte ohne Grenzen usw.), private Organisationen (Pharmaunternehmen, Technologieunternehmen usw.).
Schweizer Bürger wünschten sich Vorteile durch eine digitale Plattform für das Gesundheitswesen (n = 1110, Daten in Prozent).
„Die Schweizerische Post ist fest vom Wert der elektronischen Patientenakte (EPA) als Eckpfeiler der digitalen Gesundheitsversorgung überzeugt. Mit der Einführung der EPA erhalten die Bürger den Schlüssel zu ihren Gesundheitsdaten in die Hand. Sie haben jederzeit Zugriff auf ihre eigenen medizinischen Daten und können selbst entscheiden, wer sonst noch Zugriff auf ihre EPA erhält.
Die Schweizerische Post übernimmt als integrierter Anbieter eine führende Rolle bei der Einführung und Entwicklung der EPA in der Schweiz. Der Zugang wird zudem vereinfacht, damit möglichst viele Menschen von der EPD profitieren können. Die Post unterstützt Interessierte bereits heute. In ausgewählten Postfilialen können sie sich bereits jetzt über die EPD beraten lassen und persönlich eine EPD eröffnen. Das Ziel aller an der EPD Beteiligten ist und bleibt, dass die Bevölkerung ihre Identität online überprüfen und eine EPD schnell, einfach und elektronisch in einem Schritt eröffnen kann.
Auch Dienstleister wie Spitäler und Kliniken profitieren vom EPR. Patienten können medizinischem Fachpersonal einen einfachen Zugang zu ihren behandlungsrelevanten Dokumenten gewähren. Dadurch kann der Diagnoseprozess digital unterstützt werden. Dies reduziert Untersuchungsrisiken, erhöht die Behandlungsqualität und trägt zur Kostenkontrolle im Schweizer Gesundheitswesen bei.
Matthias Glück, Swiss Post
Digitale Tools werden häufiger genutzt, wenn sie benutzerfreundlich sind und einen Mehrwert bieten, den man ohne das Tool nicht hätte. In den meisten Branchen spielen Nutzer heutzutage eine wichtige Rolle bei der Entwicklung, dem Testen und dem Einholen von Feedback zu einem neuen Tool oder Gerät und seinen wichtigsten Vorteilen.
Warum sind Menschen beispielsweise so abhängig von ihren iPhones? Diese Geräte sind einfach zu bedienen und bieten einen klaren Mehrwert gegenüber herkömmlichen Mobiltelefonen. Darüber hinaus berücksichtigt Apple bei der Entwicklung der nächsten Smartphone-Generation das Feedback der Nutzer (Vigroux, 2020). Dies sorgt für eine hohe Kundenbindungsrate.
Warum sollte dies in der Gesundheitsbranche anders sein? Bislang wurden die meisten digitalen Gesundheitslösungen entwickelt, ohne die Hauptnutzer, die Patienten, zu fragen, welche wesentlichen Vorteile sie sich von der Lösung erwarten.
In dieser Umfrage haben wir die Schweizer Bürger gebeten, drei Vorteile auszuwählen, die das digitale Gesundheitssystem bieten sollte.
Die wichtigste Anforderung an das System ist die Senkung der Gesundheitskosten (von 37 % genannt). Tatsächlich verursacht das Gesundheitssystem in der Schweiz extrem hohe Kosten (Schweizerische Eidgenossenschaft – BFS, 2022), was zu Prämienerhöhungen führt (Keystone-SDA/dos, 2022). Wie im Bericht von McKinsey & Company erwähnt, könnten die Kosten des Schweizer Gesundheitssystems durch die Digitalisierung um 8,2 Milliarden Franken gesenkt werden (Hämmerli et al., 2021).
Schweizer Bürger legen großen Wert darauf, jederzeit (27 %) und von überall (31 %) auf ihre Gesundheitsdaten zugreifen zu können, da sie so ihre Gesundheit besser überwachen und eine aktivere Rolle in Bezug auf ihre Gesundheit übernehmen können.
Die Reduzierung redundanter Aufgaben wird ebenfalls als wichtiger Vorteil genannt (28 %). Im analogen Gesundheitssystem ist es üblich, dass Patienten dieselben Informationen mehrfach ausfüllen und verschiedene Gesundheitsdienstleister kontaktieren müssen. Eine digitale Lösung, die alle wichtigen Gesundheitsdaten enthält, würde eine große Zeitersparnis bedeuten, da die erforderlichen Daten problemlos an die verschiedenen Gesundheitsdienstleister weitergegeben werden könnten. Die erleichterte Kommunikation mit den verschiedenen Gesundheitsdienstleistern wurde ebenfalls als wichtiger Vorteil des Systems genannt (28 %). Die Befragten würden es auch begrüßen, Zugang zu zusätzlichen Informationen über ihre Krankheiten und Behandlungen zu haben (22 %), da dies ihre Selbstbestimmung stärken und ihre Gesundheitskompetenz und damit ihre Gesundheitskompetenz verbessern würde.
Schweizer Bürger halten das persönliche Eigentum an Daten (13 %) und die Speicherung von Daten in der Schweiz (10 %) für weniger wichtige Anforderungen, obwohl sie der Meinung sind, dass sie Eigentümer ihrer Gesundheitsdaten sein sollten (siehe Abschnitt 5.2 – Dateneigentum).
Die Einbindung von Patientenorganisationen in die Gestaltung künftiger Verbesserungen der Lösung (Hämmerli et al., 2021) des digitalen Gesundheitssystems und der elektronischen Patientenakte sowie deren Einführung wird dazu beitragen, die Bedürfnisse und Anforderungen der Patienten an digitale Plattformen zu berücksichtigen. Nur so wird die gesamte Bevölkerung die Lösung annehmen und ihre Umgangsweise mit ihrer Gesundheit ändern.
„Als Individuen basiert unsere Gesundheit auf mehreren Parametern:
Wer wir sind (unser Genotyp, Phänotyp…)
Wie wir leben (was wir essen, wie viel wir uns bewegen, unsere Umgebung…)
Und wie sich das oben Genannte äußert (unser allgemeiner Gesundheitszustand, Untersuchungsergebnisse…)
Das meiste davon kann als Gesundheitsdaten bezeichnet werden, die wahrscheinlich an sehr unterschiedlichen Orten oder in sehr unterschiedlichen Systemen gespeichert sind: in den Praxen unserer Ärzte, in den Krankenhäusern, die wir besucht haben, auf unseren Geräten, in den Anträgen, die wir bei Versicherungsgesellschaften einreichen ... oder sogar in den Ergebnissen kontrollierter klinischer Studien. Zusammengenommen ergeben diese Datensätze ein Bild von uns, das drastische Fortschritte in der Art und Weise unserer Behandlung ermöglichen wird:
Unsere Erkrankungen können anhand sehr früher Anzeichen früher diagnostiziert werden.
Für die weniger Glücklichen kann die richtige Behandlung mit weniger Versuch und Irrtum gefunden werden.
Relevante Studien können schnell identifiziert werden.
Insgesamt kann die Kombination von Datensätzen uns zu einer wirklich personalisierten Medizin führen, mit besseren Ergebnissen bei geringen Grenzkosten für die Gesellschaft – ganz zu schweigen von den Kosteneinsparungen, die sich daraus ergeben, dass Untersuchungen nicht doppelt durchgeführt werden müssen, weil die Daten nicht an unseren nächsten Gesundheitsdienstleister weitergegeben wurden. Um diesen Mehrwert zu erschließen, werden Systeme, die auf Datenschutz und die Einwilligung der Patienten ausgelegt sind und einen zeitnahen Zugriff auf Gesundheitsdaten ermöglichen, eine entscheidende Rolle spielen ... und nur eine enge Zusammenarbeit aller Akteure im Gesundheitswesen wird dies ermöglichen.
Dr. Susanne Weissbäcker, Josselin Meylan, EY-Parthenon
Der Wert der elektronischen Patientenakte (EPR) ist heute unbestreitbar enorm und unverzichtbar: Wir alle können unsere sensiblen Gesundheitsdaten an einem hochsicheren, eidgenössisch zertifizierten Ort in der Schweiz speichern (und nicht in einer Cloud bei Google oder Apple). Dank eines ebenso sicheren Netzwerks können wir denjenigen, die uns behandeln sollen, bei Bedarf Zugriff auf unsere Daten gewähren. Unser Dialog mit ihnen verändert sich grundlegend: Wir wandeln uns von einer eher passiven Rolle zu einem gleichberechtigten Akteur. Daten aus der Behandlung, vom Patienten gemessene Daten und Präventionsdaten werden zu einem Ganzen zusammengefügt. Die Qualität der Behandlung verbessert sich und die Kosten sinken. Diese EPD ist nun verfügbar und funktioniert im Grunde genommen. Die Benutzerfreundlichkeit ist jedoch noch nicht zufriedenstellend. Die Onboarding-Prozesse, die Identifizierung, das Ausfüllen, die Integration strukturierter Daten aus verschiedenen Quellen oder die Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen Apps müssen dringend vereinfacht werden. Das BAG hat eine besondere Pflicht, den Weg für solche Vereinfachungen zu ebnen. Es darf die Nutzer nicht erneut mit übertriebenem Datenschutzdenken behindern. Wenn dies beachtet wird, werden wir erstaunt sein, wie viel Innovation und praktischer Mehrwert im Laufe der Zeit zu dem ohnehin schon bemerkenswerten Ausgangspunkt hinzukommen wird!
Thomas Gross, BINT und OFAC
Aus rechtlicher Sicht wird Eigentum als der Zustand definiert, ausschließliche Rechte und Kontrolle über Eigentum zu haben (Law, 2022). Eigentum wird oft als eine Beziehung zwischen einer Person und einem Objekt verstanden (Liddell et al., 2021). Alan Westin schlug in den 1960er Jahren vor, personenbezogene Daten als Gegenstand von Eigentumsrechten anzuerkennen (Westin, 2015). In diesem Sinne sollten personenbezogene Gesundheitsdaten rechtlich gesehen Eigentum der Patienten selbst sein. Leider ist dies nicht so einfach, wie es scheint.
Institutionen, die Gesundheitsdaten erheben, glauben oft, dass sie Eigentümer dieser Daten sind, doch in Wirklichkeit sind sie nur „Datenverwalter“, während die Daten Eigentum des Patienten sind. Das bedeutet, dass der Patient seine Zustimmung geben muss, damit die Daten außerhalb der klinischen Einrichtung verwendet werden dürfen (Hulsen et al., 2019).
Bei der Durchführung der Umfrage haben wir uns gefragt, wie die Schweizer Bevölkerung zu dieser kritischen Frage des Dateneigentums steht. Wie erwartet möchten mehr als zwei Drittel der Befragten (68 %) die rechtlichen Eigentümer ihrer persönlichen Gesundheitsdaten sein. Die elektronische Patientenakte (EPA) geht in diese Richtung, da die Patienten selbst die Kontrolle darüber haben, wer auf ihre Gesundheitsdaten in der elektronischen Gesundheitsakte zugreifen darf und wer nicht (Schweizerische Eidgenossenschaft, 2017). Fast ein Viertel (22 %) möchte, dass ihr Hausarzt der rechtliche Eigentümer ist. Je älter die Menschen sind, desto eher möchten sie, dass ihr Arzt die Rechte und die Kontrolle über ihre Daten hat (65+ Jahre: 36 %). Dies könnte dadurch erklärt werden, dass die ältere Bevölkerung ihrem Arzt mehr vertraut als sich selbst, wenn es darum geht, ihre Gesundheit im Blick zu behalten.
Je gebildeter oder wohlhabender Menschen sind, desto mehr möchten sie Eigentümer ihrer Daten sein (hohe Bildung: 78 %, wohlhabend: 70 %). Sie haben Zugang zu mehr Informationen und verstehen daher besser, was es für sie bedeutet, ihre eigenen Daten kontrollieren zu können.
Zwischen den verschiedenen Regionen der Schweiz sind erhebliche Unterschiede festzustellen. In der deutschsprachigen Schweiz ist die Bereitschaft, rechtlich Eigentümer der eigenen Gesundheitsdaten zu sein, stärker ausgeprägt (71 % gegenüber W-CH: 57 % und I-CH: 60 %). Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass die Deutschschweizer ein höheres Vertrauen in die Eigenverantwortung haben, von der sie glauben, dass sie zu kollektiver Verantwortung führt (Bradely, 2020).
Befragte mit hoher digitaler Kompetenz und Gesundheitskompetenz haben ein stärkeres Bedürfnis, ihre Daten selbst zu besitzen (sehr digital kompetent: 71 %, sehr gesundheitskompetent: 69 %). Sie verfügen über höhere Kompetenzen in beiden Bereichen und haben daher ein besseres Verständnis dafür, was es bedeutet, seine persönlichen Gesundheitsdaten zu besitzen.
In Zukunft sollten Patienten die rechtmäßigen Eigentümer aller ihrer Gesundheitsdaten sein und somit die Kontrolle über ihre Daten haben (und diese jederzeit löschen können). Patienten sollten auch die Kontrolle darüber haben, welche Daten für die sekundäre Nutzung von Gesundheitsdaten (Forschung) verwendet werden dürfen, und zwar über die Einverständniserklärung des Patienten (swissethics, 2021).
Grafik 13 – Wahrnehmung der Schweizer Bürger hinsichtlich des rechtlichen Eigentums an persönlichen Gesundheitsdaten
Grafik 13 – Wahrnehmung der Schweizer Bürger hinsichtlich des rechtlichen Eigentums an persönlichen Gesundheitsdaten (n = 1110, Daten in Prozent) – meine Angehörigen (Familie und Freunde), digitale Wearables (FitBit, Apple Watch usw.)
„Das Gesundheitswesen ist ein kollektives Anliegen, bei dem die Bürger die Hauptakteure sind. Die Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure ist der Schlüssel zu einem bürgerorientierten Ansatz für eine erfolgreiche digitale Transformation des Gesundheitssystems. Angesichts der föderalistischen Organisation des Gesundheitswesens in der Schweiz mit einer Vielzahl unterschiedlicher Akteure und Parteien mit unterschiedlichen Kompetenzen hat die Schweizer Regierung eine vielfältige Rolle: Sie garantiert den notwendigen regulatorischen Rahmen, der die Digitalisierung fördert und die geeigneten Voraussetzungen für die Schaffung eines digital gesteuerten Ökosystems im Gesundheitswesen schafft, fördert die Entwicklung einer gemeinsamen Architektur und gemeinsamer Standards, koordiniert die Zusammenarbeit aller Akteure innerhalb des Datenökosystems und sorgt für die richtigen Anreize. Außerdem soll die Regierung ihre eigenen digitalen Verfahren als Teil des gemeinsamen digitalisierten Ökosystems auf der Grundlage der gemeinsam entwickelten Architektur umsetzen.“
Mathias Becher, FOPH
„Die Gesundheitssysteme stehen derzeit vor vielfältigen Herausforderungen, darunter eine alternde Bevölkerung, Personalmangel und der Druck, bei gleichzeitiger Kostensenkung Höchstleistungen zu erbringen[1]. Angesichts des rasch voranschreitenden Paradigmenwechsels hin zu elektronischen Gesundheitsakten ist klar, dass die Digitalisierung das Potenzial hat, diese Herausforderungen zu bewältigen. Datengesteuerte Technologien wie Geräte zur Fernüberwachung von Patienten, die Vorhersage von Risikofaktoren und die radiologische Analyse entwickeln sich zu ausgereiften Methoden, die den klinischen Arbeitsablauf unterstützen und möglicherweise auch zur Kostensenkung beitragen können[2]. Für eine erfolgreiche klinische Umsetzung dieser Methoden ist die Digitalisierung unerlässlich, aber darüber hinaus erfordert sie eine effektive Verknüpfung der Patientenakten und deren Interoperabilität.
Um die Schnittstelle zwischen neuen Technologien und dem Gesundheitssystem zu optimieren, sollten Krankenhäuser die Art und Weise, wie digitale Tools in traditionelle klinische Dienstleistungen integriert werden können, strategisch umgestalten. Eine vollständige Integration wird sich als äußerst wirksam erweisen, um den Behandlungsverlauf für Patienten zu verbessern und damit das Vertrauen der Bevölkerung in digitale Medizintechnologien zu stärken. Da das Vertrauen der Patienten für die erfolgreiche Entwicklung der personalisierten Medizin von zentraler Bedeutung ist und die Mehrheit der Patienten angibt, ihrem Arzt und medizinischen Einrichtungen größtes Vertrauen zu schenken[3], müssen Krankenhäuser eine zentrale Rolle bei der kontinuierlichen Weiterentwicklung digitaler Gesundheitslösungen einnehmen. Nur so werden wir in der Lage sein, datengesteuerte Technologien erfolgreich in das Gesundheitswesen zu integrieren.
Referenzen
[1] Bajwa J, Munir U, Nori A, Williams B. Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen: Die Transformation der medizinischen Praxis. Future Healthcare Journal 2021, Band 8, Nr. 2: e188–94
[2] Rajkomar A, Oren E, Chen K, Dai A.M. et al. Skalierbares und genaues Deep Learning mit elektronischen Gesundheitsakten. NPJ Digital Medicine (2018) 1:18[3] Brall C, Berlin C, Zwahlen M, et al. Öffentliche Präferenzen hinsichtlich Datenmanagement und -verwaltung in Schweizer Biobanken: Ergebnisse einer landesweiten Umfrage. BMJ Open 2022; 12: e060844
Sebastiano Caprara, Balgrist Universitätsklinik
„Die Schweizer Bevölkerung ist stolz auf ihr gut etabliertes und renommiertes Gesundheitssystem. Gleichzeitig herrscht die allgemeine Auffassung, dass der Digitalisierungsgrad in der Schweiz durchschnittlich ist und nicht so hoch wie in anderen Bereichen der Schweizer Wirtschaft, in denen die Schweiz weltweit führend ist.
Versicherungsgesellschaften könnten bei der Herausforderung, die Digitalisierung voranzutreiben, eine Katalysatorrolle spielen, da sie regelmässigen Kontakt zu allen Einwohnern des Landes haben, sowohl zu Patienten als auch zu Versicherten. Sie sind daher in einer dominanten Rolle, um Apps und Daten im Zusammenhang mit Gesundheit und Versicherungen bereitzustellen. Wenn es den Versicherern gelingt, den Patienten Funktionen anzubieten, können sie Türöffner für die Digitalisierung sein. Aus wirtschaftlicher Sicht und angesichts der relativ kleinen Bevölkerung ist es entscheidend, dass die Schweizer Versicherer Lösungen unterstützen, bei denen verschiedene Akteure – Anbieter und Versicherer – Wege finden, gemeinsame Plattformen (oder Ökosysteme oder Portale) zu etablieren, um eine minimale Größe für den wirtschaftlichen Erfolg der Digitalisierung zu erreichen.“
Pius Zängerle, curafutura
„Damit ein offenes Gesundheitsdaten-Ökosystem sein volles Potenzial entfalten kann – sowohl für das Gesundheitssystem insgesamt als auch für Patienten und Forschung –, müssen alle beteiligten Akteure ihren Beitrag leisten. Das gilt natürlich auch für die Pharmaindustrie. Die Pharmaunternehmen sind sich ihrer Verantwortung bewusst: Die Mitglieder von Interpharma leisten bereits wertvolle Beiträge, die die Entwicklung und den Aufbau eines Gesundheitsdaten-Ökosystems fördern.
Sie stellen Fachwissen, Ressourcen und ihr internationales Netzwerk zur Verfügung, investieren in die Entwicklung und Pflege von Sub-Ökosystemen und beteiligen sich an verschiedenen Kooperationen, beispielsweise mit Universitäten oder der Regierung (z. B. öffentlich-private Partnerschaften).
Darüber hinaus schulen sie Fachkräfte und Auszubildende in Datenkompetenz und geben strukturierte Daten an andere Forscher und Interessierte weiter. Im Umgang mit Daten verpflichten sich Pharmaunternehmen zu ethischen Standards und fordern eine klare Regelung der Sekundärnutzung von Gesundheitsdaten. Zu diesem Zweck engagieren sich Pharmaunternehmen aktiv im gesellschaftlichen Dialog über den Wert des Gesundheitsdaten-Ökosystems.
Marie-Jeanne Semnar, Interpharma
Vertrauen ist unerlässlich. Heutzutage ist Vertrauen schwer zu gewinnen, aber leicht zu verlieren. Um das Vertrauen ihrer Bevölkerung zu bewahren, muss die Schweiz nachweisen, dass strenge Standards in Bezug auf die Sicherheit der Dateninfrastruktur eingehalten werden. Es ist eine Verpflichtung, mit den Daten der Menschen sorgfältig umzugehen und transparent mit den Bürgern zu kommunizieren, indem man einen Dialog mit der Öffentlichkeit führt (Bergamin, 2018). In den letzten Jahren hat die Schweiz einen massiven Vertrauensverlust beobachtet, insbesondere bei der mittleren Generation (40 bis 64 Jahre), deren Bereitschaft, elektronische Gesundheitsdaten zu speichern, zwischen 2018 und 2020 um 40 % zurückgegangen ist (Golder & Jans, 2020). In der Umfrage haben wir die Bürger gefragt, wie sehr sie verschiedenen Schweizer Institutionen (Krankenhäusern, Behörden, privaten Organisationen und gemeinnützigen Organisationen) auf einer Skala von 1 bis 5 vertrauen (1 = kein Vertrauen bis 5 = hohes Vertrauen). In den nächsten Abschnitten finden Sie eine detaillierte Darstellung der verschiedenen Organisationen.
Wie aus Grafik 14 hervorgeht, haben 70 % der Befragten ein hohes Vertrauen in Gesundheitsdienstleister (Skalenwerte 4–5), wobei der höchste Wert bei der Interessengruppe der älteren Generation zu verzeichnen ist (80 %). Allgemeinmediziner werden als vertrauenswürdige Partner für den Umgang mit Daten angesehen (Golder & Jans, 2020). Ein Vertrauensverhältnis zwischen medizinischem Fachpersonal und Patienten führt zu besseren Ergebnissen bei der medizinischen Behandlung. Vertrauen muss von beiden Seiten kommen, wobei jede Partei ihre Rechte und Pflichten kennen muss (Schweizerische Eidgenossenschaft – BAG, 2022). Ältere Menschen neigen dazu, Menschen und Institutionen mehr zu vertrauen (Knecht & Manz, 2022).
Menschen mit hoher Gesundheitskompetenz und hoher digitaler Kompetenz haben ein höheres Vertrauen in Krankenhäuser als Menschen ohne diese Kompetenzen (hohe Gesundheitskompetenz: 74 %; hohe digitale Kompetenz: 73 %). Dies ist darauf zurückzuführen, dass sie über mehr Wissen und Verständnis verfügen und daher höhere Erwartungen an die Krankenhäuser haben, was zu einem höheren Vertrauen führt (Bertram et al., 2021).
Trotz der COVID-19-Pandemie hat die Schweiz weiterhin großes Vertrauen in die Regierung (Swissinfo, 2021). Fast die Hälfte der Befragten (47 %) hat großes Vertrauen in die Behörden (Skalenwerte 4–5) (siehe Grafik 15).
Mehr Männer als Frauen haben ein höheres Vertrauen in die Regierung (54 % gegenüber 40 %). Dies ist auch in den meisten OECD⁴-Ländern der Fall, wie aus der Vertrauensumfrage 2021 (OECD, 2022) hervorgeht.
Je jünger und gebildeter die Befragten sind, desto größer ist ihr Vertrauen in die Regierung (18–39 Jahre: 51 %; hohe Bildung: 54 %). Die junge Bevölkerung schätzt eine transparente Kommunikation zu Gesundheitsthemen sehr, wie sie beispielsweise während der Pandemie stattfand. Dies führt zu einem höheren Vertrauensniveau (Gonzálvez-Gallego & Nieto-Torrejón, 2021). Akteure, die ihre Gesundheit und ihre digitalen Kompetenzen als hoch einschätzen und sich weniger Sorgen um die Digitalisierung machen, haben auch ein höheres Vertrauen in die Behörden (hohe Gesundheitskompetenzen: 51 %, hohe digitale Kompetenzen: 54 %, keine Bedenken hinsichtlich der Digitalisierung: 58 %). Menschen mit hohem Bildungsniveau und ausgeprägten digitalen und/oder Gesundheitskompetenzen haben ein tieferes Verständnis dafür, wie die Behörden mit ihren Gesundheitsdaten umgehen, was zu einem höheren Vertrauen führt als bei Menschen mit geringerem Bildungsniveau. Stakeholder, die weniger Bedenken hinsichtlich der Digitalisierung haben, vertrauen eher darauf, dass der Staat ihre Daten angemessen behandelt.
⁴OECD-Länder: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist eine zwischenstaatliche Organisation mit 38 Mitgliedsländern, die 1961 gegründet wurde, um den wirtschaftlichen Fortschritt und den Welthandel zu fördern ( https://www.oecd.org).
Der private Gesundheitssektor umfasst Versicherungen, Pharmaunternehmen, Medizintechnik- und Biotechnologieunternehmen. Er umfasst alle Unternehmen, die nicht im Besitz des Staates sind oder von diesem kontrolliert werden, aber Gesundheitsdienstleistungen erbringen. In der Umfrage waren sie der Sektor, dem die Schweizer Bürger am wenigsten vertrauten. Nur ein Fünftel der Befragten hat ein relativ hohes Vertrauen in sie (22 %). Die Menschen befürchten, dass private Unternehmen im Gesundheitswesen ausschließlich zu ihrem eigenen Vorteil und nicht zum Wohle der Gesellschaft arbeiten und dass ihre Daten daher nur zu ihrem persönlichen Vorteil verwendet werden (Gille et al., 2021).
Die junge Generation sowie die wohlhabende und kaufkräftige Bevölkerungsschicht haben das größte Vertrauen in den privaten Sektor (18–39 Jahre: 27 %, höhere Durchschnittseinkommen und wohlhabende Kaufkraft: 26 %).
Zu den gemeinnützigen Organisationen im Gesundheitswesen zählen Organisationen wie die WHO⁵, das Schweizerische Rote Kreuz⁶, Ärzte ohne Grenzen⁷ und viele andere. Zwei Fünftel der Befragten (40 %) haben (eher) großes Vertrauen in gemeinnützige Organisationen (Skalenwerte 4/5). Dies steht im Einklang mit dem Edelman Trust Barometer 2022, das einen Anstieg des Vertrauens in multinationale Institutionen wie die WHO zeigt (Edelman, 2022).
Die junge Generation hat erneut ein etwas höheres Vertrauen als ältere Generationen (18–39 Jahre: 45 % gegenüber 40–64 Jahre: 38 % und 65+ Jahre: 40 %). Wir beobachten, dass die junge Generation in der Schweiz den verschiedenen Gesundheitsorganisationen tendenziell mehr vertraut als andere Generationen.
Darüber hinaus haben Stakeholder, die ihre Gesundheit und ihre digitalen Kompetenzen als hoch einschätzen, auch mehr Vertrauen in NPOs als diejenigen, die ihre Kompetenzen als gering einschätzen (hohe Gesundheitskompetenzen: 44 %, hohe digitale Kompetenzen: 45 %). Menschen mit höheren Kompetenzen haben ein besseres Verständnis dafür, was gemeinnützige Organisationen tatsächlich verfolgen, und daher mehr Vertrauen in das, was diese mit ihren Gesundheitsdaten tun könnten.
Gesundheitsdienstleister (einschließlich Krankenhäuser) sind in der Schweiz die vertrauenswürdigsten Organisationen im Umgang mit Gesundheitsdaten, gefolgt von der Regierung, während der Privatsektor als am wenigsten vertrauenswürdig gilt. Der Aufbau von Vertrauen in verschiedene Organisationen wird für die vollständige Digitalisierung des Gesundheitssystems von entscheidender Bedeutung sein. Gesundheitsfachkräfte und die Regierung werden eine Schlüsselrolle bei der Digitalisierung des Gesundheitssystems in der Schweiz spielen. Die Kommunikation wird ein wichtiger Teil der Transformation sein, um sicherzustellen, dass die Bevölkerung vollständig versteht, wie ihre Daten behandelt werden und welchen Mehrwert eine solche Transformation hat.
⁵WHO: Organisation der Vereinten Nationen, die sich für Gesundheit und Sicherheit weltweit einsetzt und sich für schutzbedürftige Menschen engagiert https://www.who.int/) ⁶Das Hauptziel des Schweizerischen Roten Kreuzes ist es, die Gesundheit aller Menschen zu erhalten, zu fördern und wiederherzustellen (https://www.redcross.ch/en). ⁷Ärzte ohne Grenzen leistet medizinische Hilfe für Opfer von Epidemien, Naturkatastrophen, Konflikten oder Ausgrenzung im Gesundheitswesen (https://www.msf.org/switzerland)
Grafik 14 – Vertrauen in Gesundheitsdienstleister (einschließlich Krankenhäuser)
Vertrauen in Gesundheitsdienstleister (einschließlich Krankenhäuser) (n = 1110, Daten in Prozent, Altersgruppen: jung (18–39 Jahre), mittleres Alter (40–64 Jahre) und älter (65+), Geschlechterverteilung (männlich, weiblich), Sprachregionen: D-CH für die deutschsprachige Schweiz, W-CH für die französischsprachige Schweiz und I-CH für die italienischsprachige Schweiz, Bildungsniveau: niedrig (obligatorische Schulbildung), mittel (Matura, höhere Berufsausbildung) , hoch (Universität oder Fachhochschule), Kaufkraft: niedriges Einkommen, unterdurchschnittliches Einkommen, überdurchschnittliches Einkommen und wohlhabend, Gesundheitskompetenz (von nicht informiert bis sehr gut informiert), digitale Kompetenz (von keiner bis hoher Kompetenz), Besorgnis hinsichtlich der Digitalisierung (von sehr unbesorgt bis sehr besorgt).
Grafik 15 – Vertrauen in öffentliche Behörden
Vertrauen in öffentliche Behörden (n = 1110, Daten in Prozent, Altersgruppen: jung (18–39 Jahre), mittleres Alter (40–64 Jahre) und älter (65+), Geschlechterverteilung (männlich, weiblich), Sprachregionen: D-CH für die deutschsprachige Schweiz, W-CH für die französischsprachige Schweiz und I-CH für die italienischsprachige Schweiz, Bildungsniveau: niedrig (obligatorische Schulbildung), mittel (Matura, höhere Berufsausbildung) , hoch (Universität oder Fachhochschule), Kaufkraft: niedriges Einkommen, unterdurchschnittliches Einkommen, überdurchschnittliches Einkommen und wohlhabend, Gesundheitskompetenz (von nicht informiert bis sehr gut informiert), digitale Kompetenz (von keiner bis hoher Kompetenz), Besorgnis hinsichtlich der Digitalisierung (von sehr unbesorgt bis sehr besorgt).
Grafik 16 – Vertrauen in den privaten Sektor
Vertrauen in den Privatsektor (n = 1110, Daten in Prozent, Altersgruppen: jung (18–39 Jahre), mittleres Alter (40–64 Jahre) und älter (65+), Geschlechterverteilung (männlich, weiblich), Sprachregionen: D-CH für die deutschsprachige Schweiz, W-CH für die französischsprachige Schweiz und I-CH für die italienischsprachige Schweiz, Bildungsniveau: niedrig (obligatorische Schulbildung), mittel (Matura, höhere Berufsausbildung), hoch (Universität oder Fachhochschule), Kaufkraft: niedriges Einkommen, unterdurchschnittliches Einkommen, überdurchschnittliches Einkommen und wohlhabend, Gesundheitskompetenz (von nicht informiert bis sehr gut informiert), digitale Kompetenz (von keiner bis hoher Kompetenz), Besorgnis hinsichtlich der Digitalisierung (von sehr unbesorgt bis sehr besorgt).
Grafik 17 – Vertrauen in gemeinnützige Organisationen
Vertrauen in gemeinnützige Organisationen (n = 1110, Daten in Prozent, Altersgruppen: jung (18–39 Jahre), mittleres Alter (40–64 Jahre) und älter (65+), Geschlechterverteilung (männlich, weiblich), Sprachregionen: D-CH für die deutschsprachige Schweiz, W-CH für die französischsprachige Schweiz und I-CH für die italienischsprachige Schweiz, Bildungsniveau: niedrig (obligatorische Schulbildung), mittel (Matura, höhere Berufsausbildung), hoch (Universität oder Fachhochschule), Kaufkraft: niedriges Einkommen, unterdurchschnittliches Einkommen, überdurchschnittliches Einkommen und wohlhabend, Gesundheitskompetenz (von nicht informiert bis sehr gut informiert), digitale Kompetenz (von keiner bis hoher Kompetenz), Besorgnis hinsichtlich der Digitalisierung (von sehr unbesorgt bis sehr besorgt).
7.1 Vor der Weitergabe von Daten ergriffene Maßnahmen
In der heutigen Gesellschaft tauschen Menschen verschiedene Arten von Daten mit anderen auf unterschiedlichen Plattformen aus. Oft überprüfen sie vor dem Austausch nichts und wissen daher nicht, wo ihre Daten gespeichert oder verarbeitet werden. Es ist von entscheidender Bedeutung, einen Weg zu finden, damit Menschen die Kontrolle über ihre Daten zurückgewinnen und das Recht behalten, über ihre Daten zu entscheiden (Fontanet, 2022). Dies ist komplex, da Daten, sobald sie einmal geteilt wurden, leicht kopiert werden können und Menschen die Kontrolle darüber verlieren können. Daher ist es wichtig, vor der Weitergabe personenbezogener Daten, insbesondere personenbezogener Gesundheitsdaten, bestimmte Kriterien zu beachten.
Wir haben die Schweizer Bevölkerung gefragt, welche Maßnahmen sie normalerweise vor dem Umgang mit ihren Gesundheitsdaten (Erfassung, Speicherung, Bearbeitung oder Weitergabe) ergreift. Die Ergebnisse sind in Grafik 18 dargestellt.
Zwei Fünftel der Befragten (40 %) geben an, dass sie überprüfen möchten, wer Zugriff auf die Daten hat. Etwa ein Drittel möchte wissen, wofür die Daten verwendet werden (32 %) oder wie sie geschützt werden (31 %). Nur wenige Befragte unternehmen nichts, obwohl sie sich der Konsequenzen bewusst sind (7 %).
Ein weiteres Drittel (31 %) gibt keine eindeutige Maßnahme an, entweder weil sie keine Erfahrung in diesem Bereich haben (15 %), weil sie niemals Gesundheitsdaten erheben, speichern, verarbeiten oder weitergeben würden (14 %) oder weil sie keinen Grund für die Nichtbeantwortung der Frage angegeben haben (2 %).
Die ältere Generation neigt stärker dazu, sich darüber zu informieren, was mit ihren Gesundheitsdaten geschieht (wenn sie diese sammeln, speichern, bearbeiten oder weitergeben), als die jüngere Generation. Dies lässt sich dadurch erklären, dass die Befragten über 65 Jahre alt sind und daher gegenüber der Digitalisierung vorsichtiger sind. Sie achten auch stärker darauf, wie ihre Daten verarbeitet werden, wenn sie sich entscheiden, diese zu speichern oder weiterzugeben.
In der Zukunft des Gesundheitswesens wird die Digitalisierung eine Schlüsselrolle spielen. Daher ist es wichtig, die Bürger über den Wert von Daten und damit über den sorgfältigen Umgang mit ihren Daten aufzuklären. Es müssten umfassende Leitlinien für einen solchen Umgang mit Daten festgelegt werden (Hoffmann, 2018). Das Sammeln, Speichern und Weitergeben von Daten wird zu einer regelmäßigen Tätigkeit, die von allen durchgeführt werden muss, jedoch auf intelligentere Weise, um die vollständige Kontrolle und das Eigentum der Daten durch deren Besitzer zu gewährleisten.
Grafik 18 & 19 – Maßnahmen vor der Weitergabe von Daten und Bedingungen für die Weitergabe personenbezogener Gesundheitsdaten
Maßnahmen vor der Weitergabe von Daten (n = 1110, Angaben in Prozent) – bitte alle zutreffenden Antworten auswählen
Bedingungen für die Weitergabe persönlicher Gesundheitsdaten (n = 1110, Daten in Prozent) – wählen Sie nur die drei wichtigsten Bedingungen aus
„Wenn wir persönliche Gesundheitsdaten weitergeben oder offenlegen, können wir uns verletzlich fühlen. Dies rührt von der Angst her, nicht zu wissen, was mit diesen Daten geschieht und wie sie verwendet werden. Um auf solche berechtigten Bedenken einzugehen, sind vertrauensbildende Maßnahmen erforderlich, um zu erklären, dass die Beteiligten/Anbieter eine gerechte, sichere und umfassende Versorgung anstreben. Der ganzheitliche Ansatz besteht darin, dass die Weitergabe dieser Daten viele Vorteile für Patienten, Ärzte, Krankenhäuser, Versicherer usw. haben kann.
Für Patienten bedeutet die Transparenz und die tieferen Einblicke, die der Datenaustausch ermöglicht, dass eine sich abzeichnende Erkrankung ganzheitlich betrachtet werden kann, was eine bessere Prävention ermöglicht. Ärzte und Krankenhäuser hingegen verfügen über Informationen, die ihnen helfen, umfassende und nachhaltige Heilungsmaßnahmen zu ergreifen. Versicherer haben die Möglichkeit, individuellere Angebote zu machen oder nicht-personenbezogene Daten zur Optimierung ihrer Risikoprofile zu nutzen. Die Förderung des Vertrauens unter den Patienten ist von entscheidender Bedeutung. Es ist wichtig, alle Beteiligten darüber zu informieren, wie Transparenz, Sicherheit, Eigentumsrechte und ethische Verantwortung definiert und gewährleistet werden. Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Datenanbietern, Datenverarbeitern und Verbrauchern ist daher unerlässlich.
Ein solches Ökosystem muss dem Wohlbefinden der Menschen dienen und einen sichtbaren Mehrwert für Ärzte, Spitäler, Versicherer und auch für die Schweiz schaffen. Mit solchen Fortschritten in der Digitalisierung könnte das Schweizer Gesundheitssystem nicht nur in der Behandlung, sondern auch in der Effizienz einen wichtigen Schritt nach vorne machen.
Anne Kuruvilla, SwissRe
Die Weitergabe von Daten in der Schweiz beginnt mit der Erlaubnis/Zustimmung des Dateneigentümers. Daher ist es sehr wichtig, die Faktoren und Hindernisse, die die Bereitschaft zur Weitergabe persönlicher Gesundheitsdaten beeinflussen, besser zu verstehen (Pletscher et al., 2022).
Wie aus Grafik 19 hervorgeht, ist die Verbesserung der Diagnose-/Behandlungsqualität (52 %) der Hauptgrund für die Weitergabe von Daten. An zweiter Stelle folgt die Verwendung anonymisierter Daten für Forschungszwecke (41 %). Etwa ein Drittel erwartet positive Auswirkungen auf die Krankenversicherung (34 %) oder andere finanzielle Vorteile (34 %). Etwa jeder zehnte Befragte (12 %) hält keine dieser Bedingungen für ausreichend, um seine persönlichen Gesundheitsdaten weiterzugeben.
Altruistische Motivatoren werden am häufigsten genannt, was mit dem aktuellen Gesundheitssystem übereinstimmt, dessen Ziel es ist, Patienten auf optimale Weise zu heilen. Die sekundäre Nutzung klinischer Daten für Forschungszwecke ist sehr wichtig, da sie es uns ermöglicht, neue Medikamente und Lösungen mit realen Daten zu testen. Wenn Sie heutzutage in der Schweiz ein Krankenhaus oder ein Pflegezentrum aufsuchen, werden Sie automatisch um Ihre Zustimmung gebeten, wenn das Zentrum Forschungsarbeiten oder Projekte unter Verwendung Ihrer klinischen Daten durchführen möchte. Sie werden gefragt, ob Sie ihnen gestatten, Ihre Daten zu anonymisieren (Entfernen der Identifikatoren⁸) und für Forschungszwecke zu verwenden (swissethics, 2021). Während der COVID-19-Pandemie waren Patienten eher bereit, ihre klinischen Daten weiterzugeben, um die Forschung zu verbessern und so schnell wie möglich einen Impfstoff zu entwickeln (Tosoni, 2022). Es war das erste Mal in der Geschichte, dass Forscher Zugang zu so vielen Echtzeitdaten hatten und weltweit zusammenarbeiteten. Dadurch konnte der erste Impfstoff (Pfizer) in nur einem Jahr entwickelt werden (Solis & Guildford, 2021).
Auch wenn sie weniger hoch bewertet werden, sehen die Bürger auch finanzielle Vorteile im Datenaustausch. Sie haben einen größeren Anreiz, neue digitale Tools zu nutzen, wenn sie dafür mit finanziellen Vorteilen belohnt werden.
Die ältere Generation ist bereit, ihre Daten vor allem für eine bessere Behandlung und Diagnostik (62 %) und weniger für finanzielle Anreize (21 %) weiterzugeben. Dies lässt sich damit erklären, dass sie älter werden und dies direkte Auswirkungen auf ihre Gesundheit hat. Sie sind daher sensibler in Bezug auf ihr Wohlbefinden als in Bezug auf finanzielle Anreize.
Die besser ausgebildeten Befragten sehen einen höheren Wert in einer verbesserten Behandlung (57 %) und für Forschungszwecke (50 %) als andere. Dies wurde bereits in einer groß angelegten Umfrage festgestellt, die 2021 veröffentlicht wurde (Brall et al., 2021). Dies könnte dadurch erklärt werden, dass sie Zugang zu mehr Informationen und Wissen haben und daher den Mehrwert der primären und sekundären Nutzung von Daten verstehen.
In der Schweiz müssen die Aufklärungsbemühungen verstärkt werden, um das Verständnis und das Bewusstsein für den Datenaustausch und dessen Vorteile in der Bevölkerung zu fördern, damit die Patienten genau wissen, wie ihre Daten verarbeitet werden und von wem (O’Connor et al., 2017). Wenn der Mehrwert klar kommuniziert und von den Bürgern verstanden wird, sollte die Einführung digitaler Tools und der Mentalitätswandel hin zu einem digitalen Gesundheitssystem erleichtert werden.
⁸Identifikator: jedes Merkmal, das eine Person eindeutig identifiziert und es einer anderen Person ermöglicht, die Identität dieser Person „anzunehmen“.
Die Digitalisierung hat in den letzten Jahren an Fahrt gewonnen, insbesondere nach der COVID-19-Pandemie, was auch größere Cyberrisiken im Gesundheitswesen mit sich bringt. Um dem entgegenzuwirken, hat die Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren Empfehlungen zum Datenschutz und zur Informationssicherheit entwickelt, die auf den Empfehlungen des National Cyber Security Center zur Cybersicherheit im Gesundheitswesen basieren. Cybersicherheit ist ein entscheidender Faktor für die Gewährleistung der Widerstandsfähigkeit und Verfügbarkeit kritischer Gesundheitsdienste (Schweizerische Eidgenossenschaft – NCSC, 2022). Um die positiven Auswirkungen der Digitalisierung im Gesundheitswesen voll auszuschöpfen, muss diese gut geschützt und gepflegt werden.
Wir wollten besser verstehen, wie die Schweizer Bevölkerung zur Digitalisierung ihrer persönlichen Gesundheitsdaten steht und ob sie sich über dieses Thema Sorgen macht oder nicht.
Ein etwas höherer Prozentsatz der Bevölkerung ist nicht besorgt über die Digitalisierung (36 % wählten den Skalenwert 1-2) als sehr besorgt darüber (31 % wählten den Skalenwert 4-5). Dies führt zu einem Gesamtdurchschnitt von 2,9 auf einer Skala von 5 für das allgemeine Besorgnisniveau (etwa in der Mitte der Skala). Die Untergruppen unterscheiden sich nicht wesentlich voneinander.
Um Bedenken auszuräumen, sollten wir im künftigen System dafür sorgen, dass die Digitalisierung der gesamten Bevölkerung gut erklärt wird, um Ungleichheiten beim Zugang zu Informationen zu vermeiden, und außerdem dem Datenschutz Vorrang einräumen, um Datenverstöße oder Cyberangriffe zu verhindern. Der nächste Abschnitt wird uns helfen, die verschiedenen Befürchtungen der Bevölkerung hinsichtlich dieser digitalen Transformation besser zu verstehen.
Grafik 20 – Bedenken hinsichtlich der Weitergabe von Gesundheitsdaten
Bedenken hinsichtlich der Weitergabe von Gesundheitsdaten (n = 1110, Daten in Prozent, Altersgruppen: jung (18–39 Jahre), mittleres Alter (40–64 Jahre) und älter (65+), Geschlechterverteilung (männlich, weiblich), Sprachregionen: D-CH für die deutschsprachige Region der Schweiz, W-CH für die französischsprachige Region der Schweiz und I-CH für die italienischsprachige Region der Schweiz, Bildungsniveau: niedrig (obligatorische Schulbildung), mittel (Sekundarschulabschluss, höhere Berufsausbildung) , hoch (Universität oder Fachhochschule), Kaufkraft: niedriges Einkommen, unterdurchschnittliches Einkommen, überdurchschnittliches Einkommen und wohlhabend, Gesundheitskompetenz (von nicht informiert bis sehr gut informiert), digitale Kompetenz (von keiner bis hoher Kompetenz)).
„In den letzten Jahren wurde das Gesundheitswesen zum Hauptziel von Cyberkriminellen. Schon vor der COVID-19-Pandemie gaben 76 % der Gesundheitsdienstleister an, dass sie einer erheblichen Sicherheitsbedrohung ausgesetzt waren. In seinem jährlichen Trendbericht stellte Cisco⁹ fest, dass das Gesundheitswesen im Jahr 2021 die am stärksten betroffene Branche war.
Gesundheitsorganisationen sind besonders anfällig für Bedrohungen im Zusammenhang mit dem Internet der Dinge (IoT). Außerhalb der physischen Einrichtungen müssen IT- und Sicherheitsexperten im Gesundheitswesen auch medizinische Geräte, Wearables, Telemetriegeräte und eine neue Generation von Gesundheits-Apps berücksichtigen. Vernetzte medizinische Geräte, Geräte und Systeme von Drittanbietern sowie die Umgebung sollten ebenfalls berücksichtigt werden.nbsp;
Wenn Organisationen im Gesundheitswesen ihre Strategie zur Stärkung ihrer Sicherheitslage festlegen, empfehlen wir ihnen, ihre Überlegungen auf drei Säulen zu stützen: Menschen, Technologie und Prozesse.
Aus technologischer Sicht ist es am sinnvollsten, Sicherheit als Ganzes zu betrachten und sie als End-to-End-System zu behandeln, anstatt als eine Reihe einzelner Komponenten.
Neben der Technologie ist die Schulung der Mitarbeiter von größter Bedeutung. 95 % aller Angriffe sind aufgrund menschlicher Fehler erfolgreich. Branchenakteure wie Cisco bieten kostenlose Schulungskurse zum Thema Cybersicherheit an, beispielsweise über Programme wie die gemeinnützige Cisco Networking Academy.
Garif Yalak, Cisco
⁹Cisco Talos Incident Response Team
„Jeder hat das Recht, vor Missbrauch seiner persönlichen Daten geschützt zu werden“ – dies ist ein starkes Recht auf Privatsphäre, das in der Schweizer Verfassung (Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 1999) verankert ist.
Daher ist für die Erhebung und Verwendung sensibler Daten, wie beispielsweise personenbezogener Gesundheitsdaten, entweder eine Rechtsgrundlage erforderlich, es muss ein öffentliches Interesse nachgewiesen werden, es muss eine Einwilligung nach Aufklärung vorliegen oder die Daten müssen anonymisiert werden (DPA, 2011).
In den vergangenen Jahren haben die Medien häufig auf verschiedene Verstöße gegen den Datenschutz im Gesundheitswesen aufmerksam gemacht, um Datendiebstähle aufzuspüren und zu ahnden und einen bestmöglichen Schutz der Daten zu gewährleisten. Im Jahr 2019 landeten sensible medizinische Daten, darunter 200.000 Patientenbilder, auf ungesicherten Servern. Dies war darauf zurückzuführen, dass diese Gesundheitsdaten ursprünglich auf Servern mit unzureichender Sicherheit gespeichert waren (Keystone-SDA/AFP/ts, 2019). Es ist sehr wichtig, Gesundheitsdaten auf Servern zu speichern, die geschützt und gut gewartet sind. Ein weiterer wichtiger Datenverstoß ereignete sich Anfang 2021, als die Stiftung Myvaccines im Verdacht stand, gegen den Datenschutz verstoßen zu haben. Die kostenlose Plattform ermöglichte es Menschen, eine elektronische Version ihres Impfpasses in Papierform zu erstellen, um regelmäßige Aktualisierungen ihres Impfstatus zu gewährleisten. Sie wurde von der Schweizer Regierung unterstützt. Der Plattform wurde vorgeworfen, 450.000 Impfdaten von 240.000 Personen öffentlich zugänglich und manipulierbar gemacht zu haben. Dies führte dazu, dass das Bundesamt für Datenschutz und Informationssicherheit (FDPIC) und das Nationale Zentrum für Cybersicherheit (NCSC) ein Verfahren gegen Myvaccins gemäß dem Bundesgesetz über den Datenschutz einleiteten (Keystone-SDA/ac, 2021).
Diese extremen Beispiele, auch wenn sie eher selten sind, neigen dazu, die Schweizer Bürger hinsichtlich der Digitalisierung ihrer Gesundheitsdaten zu verunsichern, da sie befürchten, dass ihre Gesundheitsdaten missbräuchlich verwendet oder falsch gespeichert werden könnten.
Mit der Umfrage wollten wir ein besseres Verständnis dafür gewinnen, was die Schweizer Bürger hinsichtlich der Digitalisierung ihrer Gesundheitsdaten befürchten.
Wie in Grafik 21 dargestellt, befürchtet fast die Hälfte der Befragten einen Missbrauch oder Diebstahl ihrer Daten (46 %). Der zweitwichtigste Grund (38 %) ist die Angst vor Datenmissbrauch aufgrund falscher oder unsachgemäßer Speicherung. An dritter Stelle steht die Angst, dass Dritte mit ihren Gesundheitsdaten Geld verdienen könnten (29 %). Dicht dahinter folgt die Angst, kontrolliert zu werden (26 %).
Ein Fünftel der Befragten befürchtet, dass ihre Gesundheitsdaten sich negativ auf ihre Versicherung auswirken könnten (22 %), dass sie die Kontrolle über ihre Daten verlieren könnten (21 %) oder dass sie den Zugang zu medizinischen Daten verlieren könnten (17 %).
Jeder Zehnte hat keinerlei Bedenken hinsichtlich der Digitalisierung (9 %).
Wie zu erwarten war, haben die Stakeholder, die sich große Sorgen um die Digitalisierung machen, mehr Angst davor, kontrolliert zu werden (36 %).
Der Datenschutz muss im Mittelpunkt der künftigen Digitalisierung des Gesundheitssystems stehen, wobei sicherzustellen ist, dass geeignete Systeme und Server für die Speicherung und Weitergabe von Daten verwendet werden und dass Datenmissbrauch, fehlerhafte Speicherung oder Datendiebstahl vermieden werden. Darüber hinaus sollte sichergestellt werden, dass die Patienten die volle Verantwortung für ihre eigenen Gesundheitsdaten tragen und die vollständige Kontrolle darüber haben und dass Dritte ohne die Zustimmung des Patienten keinen Zugriff auf die Daten haben.
Grafik 21 – Befürchtungen hinsichtlich der Digitalisierung von Gesundheitsdaten
Befürchtungen hinsichtlich der Digitalisierung von Gesundheitsdaten (n = 1110, Angaben in Prozent) – wählen Sie nur die drei wichtigsten Bedingungen aus.
Die Umfrage zeigt, dass die Schweizer Bevölkerung bereit ist, ein digitales Gesundheitssystem zu nutzen, wenn es einen klaren Mehrwert für die Bürger bietet, wie beispielsweise eine bessere Benutzerfreundlichkeit, verbesserte Diagnosen und Behandlungen sowie geringere Gesundheitskosten.
Die Schweizer Bevölkerung verfügt über ein hohes Maß an Digital- und Gesundheitskompetenz, doch es kann noch mehr getan werden, um sicherzustellen, dass niemand zurückbleibt. Ein stärkerer Fokus sollte darauf gelegt werden, die Bürger zu befähigen, besser mit ihrer Gesundheit umzugehen und sich mit der digitalen Welt auseinanderzusetzen. Die Digitalisierung eröffnet eine völlig neue Wissensquelle, in der Patienten Informationen suchen, selbst aktiv für ihre Gesundheit sorgen und mehr Kontrolle über ihre Gesundheit erlangen können.
Es ist auch sehr wichtig, die Bevölkerung weiterzubilden, damit sie besser versteht, wie ihre Daten verarbeitet werden, und ihr die direkten gesellschaftlichen Vorteile des Datenaustauschs aufzuzeigen. Heute sind die Schweizerinnen und Schweizer vor allem besorgt über den Missbrauch von Daten, Datendiebstahl und die Tatsache, dass Dritte mit ihren Daten Geld verdienen. Um die Bürger zu beruhigen, sollte der Datenschutz im Mittelpunkt der digitalen Lösung stehen, damit sichergestellt ist, dass für die Speicherung von Gesundheitsdaten geeignete Systeme und Server verwendet werden.
Schweizer Bürger nutzen digitale Geräte bereits täglich für Arbeit und Freizeit. Darüber hinaus werden in der Schweiz bereits regelmäßig Anwendungen und Wearables zur Erfassung von Gesundheitsdaten eingesetzt.
Die Bürger könnten daher leicht lernen, wie sie diese Instrumente zur Überwachung ihrer Gesundheit und ihres Wohlbefindens einsetzen können. Diese Informationen würden ihnen helfen, positive Entscheidungen für ihr Leben zu treffen, gesündere Gewohnheiten anzunehmen und vielen Krankheiten vorzubeugen. Diese Echtzeitdaten wären auch für medizinisches Fachpersonal ein wichtiger Vorteil, um Patienten besser diagnostizieren und behandeln zu können.
Diese Geräte müssen so angepasst werden, dass sie von allen genutzt werden können, unabhängig von Alter, Bildungsstand oder Geschlecht. Letztendlich sind wir alle „Patienten“, da wir alle täglich von unserer Gesundheit betroffen sind. Wir als Patienten sollten eingeladen werden, die Zukunft des digitalen Gesundheitssystems und der elektronischen Patientenakte mitzugestalten. Dies würde eine höhere Akzeptanzrate gewährleisten, da die Lösung patientenorientiert wäre und den Bedürfnissen der Bürger entsprechen würde: Senkung der Gesundheitskosten, leichterer Zugang zu Gesundheitsdaten unabhängig von Zeit und Ort und Zeitersparnis bei Verwaltungsaufgaben.
Die Bürger sollten die rechtmäßigen Eigentümer ihrer Gesundheitsdaten sein, wie dies von den meisten Umfrageteilnehmern angegeben wurde. Sie möchten die vollständige Kontrolle über ihre Gesundheitsdaten und deren Verwendung haben. Wir bewegen uns weg von einem System, in dem Krankenhäuser im Mittelpunkt stehen, hin zu einem System, in dem der Patient im Mittelpunkt steht.
Auch die Frage des Vertrauens ist von entscheidender Bedeutung. Krankenhäuser, gefolgt von der Regierung, gelten in der Schweiz als die vertrauenswürdigsten Organisationen, wenn es um den Umgang mit Gesundheitsdaten geht. Der Aufbau von Vertrauen in die verschiedenen Gesundheitsorganisationen wird für diese digitale Transformation wichtig sein, da alle Akteure zu dieser Transformation beitragen, um eine durchgängige Digitalisierung des Systems zu ermöglichen. Dies wird nur möglich sein, wenn die Behörden einen nationalen Rahmen mit zentralen Standards festlegen und alle Akteure zusammenarbeiten. Eine verstärkte Einführung des digitalen Systems und ein Umdenken in der Öffentlichkeit sind nur möglich, wenn alle Anstrengungen darauf ausgerichtet sind, klar zu kommunizieren, wie das System funktionieren wird, wie Gesundheitsdaten digital verarbeitet werden und welche wesentlichen Vorteile die Bürger in ihrem täglichen Leben davon haben werden.
Wir hoffen, dass wir mit unserer Initiative „Digital Health“ dazu beitragen können, das übergeordnete Ziel der Digitalisierung des gesamten Gesundheitssystems zu erreichen und es patientenorientierter zu gestalten, indem wir alle Akteure im Gesundheitswesen aufeinander abstimmen und die Bürger stärken.
Dieses Dokument wurde zwischen Mitte Oktober und Mitte November 2022 auf der Grundlage der Ergebnisse der Umfrage unter der Schweizer Bevölkerung mit dem Titel «Bedürfnisse und Befürchtungen der Bürgerinnen und Bürger hinsichtlich der Digitalisierung des Gesundheitswesens in der Schweiz» verfasst. Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit gfs-zurich durchgeführt.
Hauptverfasser:
Jade Sternberg, Senior-Projektleiterin Digitale Gesundheit, digitalswitzerland
Unterstützung durch den Lenkungsausschuss für digitale Gesundheit von digitalswitzerland:
Mathias Becher, Leiter der Abteilung Digitale Transformation (CDO), Bundesamt für Gesundheit (BAG)
Dr. Sebastiano Caprara, Projektleiter Gesundheitsdaten-Repository, Balgrist-Spital
Philomena Colatrella, CEO, CSS
Susanne Gedamke, Director, Swiss Patient Organisation (SPO)
Alexandros Giannakis, Geschäftsführer – Global Lead Life Sciences Digital Health Accenture
Matthias Glück, Leiter Plattform-Ökosysteme, Swiss Post Digital Health
Thomas Gross, Strategischer Berater, BINT und ofac group
Anna Kuruvilla, Leiterin Tech Steering & Innovation Management, SwissRe
Toni La Rosa, Chief Sales Officer der ELCA-Gruppe
Dr. med. Conrad Eric Müller, Präsident der Pro UKBB Foundation, Kinderchirurg
Marie-Jeanne Semnar, Leiterin Public Policy, Interpharma
Chantal Stäuble, Leiterin Geschäftsentwicklung Digital Enterprise, Netcetera
Dr. Susanne Weissbäcker, Partnerin bei EY-Parthenon Life Sciences Strategy
Dr. Garif Yalak, Leiter Digitale Transformation Gesundheitswesen, Bildung und Verwaltung, Land, Digitale Beschleunigung, Cisco Schweiz
Pius Zängerle, Direktor, curafutura
Über digitalswitzerland
digitalswitzerland ist eine landesweite, branchenübergreifende Initiative, die darauf abzielt, die Position der Schweiz als führende digitale Nation zu stärken. Unter dem Dach von digitalswitzerland arbeiten mehr als 240 Organisationen, bestehend aus Verbandsmitgliedern und politisch neutralen Stiftungspartnern, gemeinsam an der Erreichung dieses Ziels. digitalswitzerland ist Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Digitalisierung und engagiert sich für die Lösung einer Vielzahl von Herausforderungen. Erfahren Sie mehr über digitalswitzerland.
Wir möchten Karin Mändli Lerch und ihrem Team bei gfs-zürich für ihre Unterstützung bei der Durchführung der Umfrage danken.
Über die Initiative „Digital Health“ und ihren Lenkungsausschuss
Im Jahr 2022 startete digitalswitzerland eine neue Initiative im Bereich Digital Health, deren Ziel es ist, das gesamte Gesundheitssystem in der Schweiz zu digitalisieren und patientenorientiert zu gestalten. Dies wird dazu beitragen, die Transparenz, Zugänglichkeit und Verständlichkeit von Gesundheitsinformationen für die gesamte Schweizer Bevölkerung zu verbessern. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, müssen alle Akteure im Gesundheitswesen zusammenarbeiten.
digitalswitzerland hat einen Lenkungsausschuss eingerichtet, der sich aus Experten aus verschiedenen Bereichen des Schweizer Gesundheitswesens zusammensetzt und dazu beiträgt, die Zukunft der digitalen Gesundheit in der Schweiz voranzutreiben und zu gestalten.
Wir möchten allen Mitgliedern des Lenkungsausschusses für digitale Gesundheit für ihr Engagement, ihre Unterstützung bei der Studie und ihre fachkundigen Beiträge danken.